Rettung in letzter Sekunde
Die Rasenballer machten es heute bei den Kiezkickern extrem spannend. Nach guten Chancen in der ersten Halbzeit und einem verschossenen Elfmeter von Frahn, geriet die Paculttruppe in der 63. Minute in Rückstand. Danach war es ein Spiel auf ein Tor und der oft kritisierte Kutschke wurde zum Held des Spiels. Er erzielte nicht nur den Ausgleich in der 75. Minute, sondern ihm gelang nach dem Platzverweis von Müller und dem damit verbundenen sicher geglaubten Punktverlust auch der Siegtreffer in letzter Sekunde. RB machte es sich unnötig schwer und muss gegen Meuselwitz auf Müller und den Matchwinner Kutschke verzichten, behält aber alle drei Punkte für sich.
Die von Guido Schäfer gestern in den Raum gestellten Änderungen im pacultschen Team sollten voll ins Schwarze treffen. Der große Peter rotierte Winterneuzugang Wallner für Kutschke, Sommerneuzugang Heidinger für Schinke und Mittelfeldmotor Geißler für Rost aus der Mannschaft und nahm zudem als Offensivvariante lediglich Wallner auf die Bank. Die alten Neuen in der Startaufstellung fügten sich gut ein und es folgte eine muntere Startphase mit einer sich immer weiter steigernden Leipziger Offensive. Besonders Schinke und Kutschke waren die Aktivposten der Mannschaft, aber auch Rockenbach leitete gute Angriffsmöglichkeiten ein. Leider wollte der Ball einfach nicht ins Tor gehen, in den ersten 30 Minuten hatte Frahn durchaus die Möglichkeit das ein oder andere Tor zu erzielen, jedoch trafen seine Schüsse nur allzu gern Paulis Schlussman Schenk. Die „Young Rebels“ hätten in Form von Brückner (5. - Lattenkreuz) und Güner (30.) ebenfalls in Führung gehen können.
In der 40. Minute dann Foul von Heinemann an unserem Brasilianer vom Dienst und folgerichtig der siebente Elfmeter für die Roten Bullen in der laufenden Saison. Leider hielt Schenk auch diesen Schuss von Frahn, der damit seinen zweiten Elfmeter verschoss, obwohl er durchaus gut ausgeführt war. Mit dem für Pauli durchaus schmeichelhaften 0:0 ging es dann in die Halbzeit.
Zunächst kamen die Kiezkicker besser aus der Kabine und die Rasenballer hatten Glück, dass Güner den Ball nicht richtig verarbeiten konnte. Nach diesem „Hallo-wach“-Effekt fanden auch die Roten Bullen zurück ins Spiel. Behinderungen von Kutschke (48.) und Ernst (53.) im Strafraum führten jedoch nicht zum erneuten Elfmeterpfiff von Norbert Giese. Pauli blieb durch Standards stets gefährlich. Während die ersten zwei Freistöße aus aussichtsreicher Position nichts einbrachten, genügte den im Schnitt recht kleinen Kiezkickern eine Ecke zur Führung. Kurczynski – bereits mit dem vierten Rückrundentor – köpfte in der 63. Minute ein. Pünktlich also zur stärksten Phase von Pauli, die 22 ihrer 38 Tore in den letzten 30 Spielminuten erzielten.
Pacult reagierte und korrigierte sich selbst – Wallner für Schinke (der ein gutes Spiel ablieferte) und Geißler für den blasser werdenden Rost kamen ins Spiel. Die Mannen von Jörn Großkopf kämpften und bissen – sieben Gelbe Karten sprechen Bände - und versuchten ihrerseits die Führung über die Zeit zu bringen. Durch ihre foulträchtige Spielweise ergab sich jedoch für die Leipziger einiges an Chancen. Einen Rockenbach Freistoß wuchtete Kutschke in der 75. dann auch zum Ausgleich ein. Sein erster Kopfballtreffer in dieser Saison – und was für ein wichtiger! Ecke um Ecke prasselte nun auf Schenk und seinen Strafraum herein, Angriff um Angriff rollte vors Tor der Reeperbahner. Pauli nun noch defensiver und RB tat sich schwer mit den bald danach geordneter stehenden Hamburgern. Torschütze und Obermotzki Kutschke (nach einer erneuten Gelben im nächsten Spiel gesperrt) hatte in der 84. die Führung auf dem Kopf, leider verfehlte er den Kasten.
Zu allem Unglück kassierte Müller noch die Ampelkarte (86.), als er einen Konter der Hausherren unterbinden musste und fehlt so wie auch Kutschke am Mittwoch gegen Meuselwitz. Paculte wechselte nun Hoffmann für Frahn und spielte seinerseits auf Halten, aber es waren sowieso nur noch wenige Minuten zu spielen…
Was dann folgte war ein Halberstadt oder Meuselwitz reloaded. Kutschke – der Held des Spiels nahm sich ein Herz und schenkte Schenk in der Schlussminute einen saftigen Ball ein – 2:1 für die Roten Bullen – 2:1 für Leipzig – 2:1 für Kutschke. Der gefrustete Kurczynski holzte danach prompt den Torjäger (Kutschke humpelte vom Feld) um und flog glatt mit Rot vom Platz. Danach war das Spiel mit einer der emotionalsten Schlussphasen der Saison aus und vorbei und Leipzig entführte nach hartem Kampf drei Punkte von der Binnenalster.
Fazit: Die Leipziger waren durchaus die spielbestimmende Mannschaft, hätten Pauli wohl aber auch schon vor dem Gegentreffer mehr in die eigene Hälfte drängen können. Frahns heutige Abschlussschwäche und zum kleinen Teil auch Pacults Wechselspiele taten ihr übriges, dass wir die Führung nicht vor Pauli erzielten. Eine Unachtsamkeit nach einer Ecke brachte uns das allzu bekannte Rückstandsszenario, ehe die Mannschaft das zeigte, was sie wirklich zu leisten im Stande ist. Mit ein wenig Glück (Unglück beim Elfer hatten wir ja schon) verewigte sich Kutschke zweifach als Torschütze und ermöglichte den Leipzigern den Sieg in letzter Minute.
Statistik zum Spiel:
FC St. Pauli II: Schenk - Braun, Brückner, Kalla, Heinemann - Andrijanic, Duve, Filipovic, Güner (54. Weidlich) - Kurczynski, Tidim (59. Pini)
RB Leipzig: Borel - Müller, Franke, Sebastian, Wisio - Rost (65. Geißler), Ernst - Rockenbach, Schinke (61. Wallner) - Frahn (85. Hoffmann), Kutschke
Tore: Kurczynski 1:0 (63.), Kutschke 1:1 (74.), 1:2 Kutschke (90.)
Gelbe Karten: Brückner, Filipovic, Heinemann, Pini, Kalla, Weidlich, Kurczynski / Müller (9), Kutschke (5)
Gelbe-Rote Karten: Müller (86.)
Rote Karten: Kurczynski (90.)
Zuschauer: 475
Rumpelstilzchen
Audio: Das ganze Spiel im Fanradio