Licht und Schatten am letzten Wochenende vor Saisonstart
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Knapp eine Woche vor dem sehnsüchtig erwarteten Saisonauftakt gegen die zweite Mannschaft von Union Berlin am Sonntag um 13:30 Uhr in der Red Bull Arena wurde die mehrwöchige Vorbereitungsphase mit einem Testspiel (6:0 gegen Arsenal Ceska Lipa) und der Saisoneröffnungsfeier im Clara-Zetkin-Park beendet. Beide Ereignisse mögen aus Vereinssicht und einer Vielzahl von Fans erfolgreich verlaufen sein, doch innerhalb der RB-Fanszene gibt es auch starke Kritik an der Organisation und Durchführung.

Für Kopfschütteln sorgten beim Testspiel am Samstag vor allem zwei Dinge:
1. Der Spielort Grimma. Nur eins von zehn Testspielen fand in Leipzig statt, das ist nicht gerade fanfreundlich. Die Spiele in Sandersdorf, Piesteritz oder Lüttchendorf konnte der Leipziger noch als Fangewinnung im Umland akzeptieren. Warum aber zum wiederholten Male ein Spiel in Grimma stattfinden musste, ist für viele Fans nur schwer zu verstehen. Die Retourkutsche kam prompt – nicht einmal 400 Zuschauer pilgerten zum Spiel gegen den tschechischen Drittligisten. Das dürfte Negativrekord bei einem RB-Spiel in Grimma gewesen sein.
2. Der Testspielgegner. Sicherlich gab es hier ein Kommunikationsproblem. Zunächst wurde angekündigt, man suche für den 04. August einen „attraktiven Gegner“, vornehmlich aus der Bundesliga oder England. Das weckt selbstverständlich Erwartungen. Wenige Wochen später las man in der Leipziger Internet Zeitung, dass es wohl „nur“ ein tschechischer/polnischer Erst- oder Zweitligist werden würde. Von diesem Artikel haben allerdings nur wenige Kenntnis genommen, so dass die Mehrzahl immer noch auf einen Kracher hoffte. Letztendlich wurde es nur ein tschechischer Drittligist - die Enttäuschung war immens. Vielleicht hätte man von Vereinsseite hier frühzeitig gegensteuern müssen um die Erwartungen zu dämpfen.
Saisoneröffnungsfeier auf der Parkbühne im Clara-Zetkin-Park
Positiv:
Eintritt
Kostenloser Eintritt in eine schöne Location, die weiträumig und mit viel Charme ausgestattet war. Daumen hoch.
Das Rahmenprogramm
Für die kleinen Kinder gab es allerhand Möglichkeiten, sich an einem Sonntagnachmittag so richtig auszutoben. Das Catering war vom Angebot her ausreichend, die Vorverkaufsstände für die ersten Saisonspiele gut organisiert, sodass man ohne größere Wartezeiten an seine Karten kam. Die Offiziellen Fanclubs durften sich am Rande mit Ständen präsentieren und sich zusätzlich auf der großen Bühne vor viel Publikum vorstellen. Die Musik war modern (ist sicher nicht jedermanns Sache) und mit der Band „Glasperlenspiel“ hatte man sich sogar eine namhafte deutsche Band geangelt.
Die Stimmung
Unter den vielen Besuchern herrschte überwiegend eine frohe und ausgelassene Atmosphäre. So ist man es unter RB-Fans gewohnt und so soll es bitteschön auch weiterhin bleiben.
Negativ:
Die Autogrammstunde(n)
Prinzipiell wurde es deutlich besser organisiert als letztes Jahr am Cottaweg. Damals stand man eine gefühlte Ewigkeit in einer Schlange, weil Neunmal-Kluge sich entweder vordrängelten oder die logische Reihenfolge (von rechts nach links) bewusst missachteten. Daraus hatte man anscheinend gelernt, zumindest teilweise. Ein extra abgesperrter Bereich führte diesmal dazu, dass die Fans an einem vorgegebenen Weg zu den Spielern kamen und sich so in Ruhe ihre Autogramme holten konnten. Es gab einen Eingang und die Security achtete penibel darauf, dass sich im abgesperrten Bereich nicht zu viele Leute befanden. Soweit, so gut. Ungünstig dann aber die Tatsache, dass der Andrang am Eingang viel zu groß war. Die Security ließ ca. 10 Leute im 5-Minuten-Takt in den abgesperrten Bereich, davor warteten aber oftmals noch mehr als 200 Leute. Und wenn es nur einen schmalen und begrenzten Eingang gibt, die Sonne auf dem Rücken knallt und viele mit zunehmender Dauer ungeduldig werden, nimmt die Aktion einen negativen Verlauf. Da wird gedrängelt und geschubst, die Ellenbogen ausgefahren und keine Rücksicht auf Verluste genommen. Verlierer waren die kleinen Kinder, die in dieser unglaublichen Enge von erwachsenen Menschen hoffnungslos verloren und ängstlich waren. Vielleicht überlegt sich der Verein nächstes Jahr eine andere Lösung. Solche Szenarien will niemand noch einmal erleben.
Unverständnis zeigten viele Fans auch dafür, wieso man es bisher nicht schaffte, ein neues Mannschaftsfoto inklusive neuer Autogrammkarten zu drucken. Stattdessen wurden die Autogramme der letzten Saison verteilt, die Neuzugänge hatten natürlich keine eigenen. Die notgedrungene Lösung der Marketingabteilung war der Saisoneröffnungs-Flyer, auf dem alle Spieler abgebildet wurden. Dort konnten die Akteure unter ihrem Bild ihr Signum setzen. Nunja.
Die Preise
Auch wenn der Verein lobenswerter Weise keinen Eintritt für die Parkbühne verlangte, so waren die Preise für Essen und Getränke doch eher weniger erfreulich. 2,50 Euro für eine Bratwurst sind nicht ohne und für eine 0,2l Cola gleich zwei Euro zu verlangen ist grenzwertig. Vermutlich hatte der Verein aber keinen Einfluss auf das Catering, dessen Preise der Besitzer des Geländes vorgab.
Stadionsprecher/Entertainer Tim Thoelke
Hat bei einigen RB-Fans sowieso einen schweren Stand und nach dem Auftritt von heute dürfte die Kritik an seiner Person nicht kleiner werden. Wirkte bei der Anmoderation der Mannschaft unsicher, versprach sich ungewohnt oft. Hätte sich z.B. vorher darüber informieren sollen, wie man – den zugegebenermaßen nicht einfachen Namen - „Patrick Koronkiewicz“ ausspricht. Vergas zu allem Überfluss die Spieler Timo Röttger, Jeremy Karikari und Henrik Ernst vorzustellen, schob deren Vorstellung erst nach mehrfachen Hinweisen von Vereinsmitarbeitern nach. Schaffte es zudem nicht, die gut inszenierte Bühnenatmosphäre (Nebel beim Einlauf der Spieler, passende Musik etc) ins Publikum hinüberzutragen. Enttäuschender Auftritt von Tim Thoelke, da war mehr möglich.
Rojiblanco