Start der dritten Liga: Halle gegen Leipzig unter Flutlicht
„Hallelujah!“ dachten sich wohl einige, als der Spielplan der dritten Liga bekanntgegeben wurde, „Wann gibt es die Karten?“ gleich danach. „Gut, guuuut“ grinste der MDR und rieb sich die Hände, welche bei der Entscheidungsfindung des DFB wohl ein wenig ihre Finger im Spiel hatten. Aber wie es auch sei, es steht fest und so beginnt heute unsere Drittliga- und damit verbundene Deutschlandreise im wohlbekannten Ort an der Saale, der kürzeste Ausflug gleich zu Beginn. Kaum gab es dann die Karten, da waren sie auch schon weg, sowohl in Halle als auch in Leipzig fing der frühe Vogel eben den Wurm. Und nach ein wenig Abklang der Euphorie steht man nun mit seiner Karte da und fragt sich, was man sich da eigentlich antut. Angekommen in Halle, wird man mit einem Bus in ein kleines, enges, viereckiges Stadion gebracht, in dem sich schon 13.000 HFC-Fans auf die Bullenjagd vorbereiten. Dementsprechend laut wird man empfangen und sich wieder Sachen anhören müssen, die unter keine Kuhhaut gehen. Doch wird es diese Bullenjagd überhaupt geben oder werden die Saalstädter auf die Hörner genommen? Oder endet alles so „unspektakulär“ wie beim letzten Aufeinandertreffen?
Blicken wir etwa 14 Monate zurück. Der letzte Spieltag der Regionalliga Nord: Kiel und Halle liefern sich ein Fernduell, Leipzig als Kiels Schützenhilfe war nun ausgerechnet zu Gast im Erdgas-Sportpark. Tapfer kämpfend holte RB sich mit tausendfacher Unterstützung beim 0:0 einen Punkt, stieß damit das Tor für Kiel auf. Diese schritten aber nicht durch und somit war der Jubel beim Gegner riesig, Halle stieg auf. Die darauffolgende Saison verlief für den HFC dann abwechslungsreich. Von der Überraschungsmannschaft zum Abstiegskanditaten (einige hohe Niederlagen) zum sicheren Klassenverbleib auf dem 10. Platz mit acht Punkten Abstand zur “Abstiegszone”.
Nun steht auf dem Plan sich in der dritten Liga festzuhaken, um irgendwann mal den Angriff auf die Bundesliga zu nehmen. Doch es wird nicht einfach: Abgesehen davon, dass „das zweite Jahr immer das schwerste ist“ musste man sich von ganzen zwölf Spielern und darunter vielen Leistungsträgern verabschieden. Allen voran Darko Horvat - der gefühlte hundert Jahre den Kasten freihielt und nun sein Karriereende beschloss. Für ihn holte man Dominik Kisiel, welcher noch in der Aufstiegssaison von RB in dem Tor des Berliner AK stand. Schwer wiegen auch die Abgänge von Dennis Mast (für 200.000 € nach Karlsruhe), Marco Hartmann (Dynamo Dresden) und Angelo Hauk (SV Wacker Burghausen). Auch andere bekannte Namen, aber weniger schmerzvolle, wie Preuß, Ruprecht, Eismann und Kanitz (auch jahrelang beim HFC) werden nun nicht mehr zu finden sein. Dafür kann sich Trainer Sven Köhler, welcher zuletzt in Naunhof gesehen wurde, u.a. auf die Dienste von Sören Bertram verlassen. Der Jungspund im zentralen Mittelfeld ist ebenfalls kein unbeschriebenes Blatt für RB-Fans, machte er uns schon beim Hamburger SV II das Leben schwer. Sein Marktwert wird auf 300.000€ taxiert und spielt auf Leihbasis für ein Jahr beim HFC - der VfL Bochum war so freundlich und ermöglichte dies.
Wieder im Kader ist Verteidiger Adli Lachheb. Der gebürtige Tunesier spielte schon von 2008 bis 2010 in Halle, wechselte nach Aue und Duisburg und nimmt jetzt wieder seinen Platz in der Stammelf ein. Von Energie Cottbus holte man sich den 30-jährigen Daniel Ziebig als Ersatz für Nico Kanitz. Für die Offensive wurden auch drei namenhafte Herren verpflichtet: Tony Schmidt (VFC Plauen), Pierre Merkel (Eintracht Braunschweig) und Akai Gogia (VfL Wolfsburg). Letzterer kann als Königstransfer des HFC bezeichnet werden, denn der 21-jährige Georgier hat bereits 1.752 Minuten (aber nur ein Tor) Erfahrung in den beiden Bundesligen, einen Marktwert von 700.000€ und schoss in der A-Jugend-Bundesliga in 52 Spielen 28 Tore, seitdem ist aber der Kurvenverlauf eher der Gravitation erlegen. Er ist der neueste Transfer der Hallenser und erst seit Dienstag mit im Training. Ob er gegen RB auflaufen wird, ist also mehr als fraglich.
Insgesamt gesehen, hat sich der HFC nicht wirklich verschlechtert aber auch nicht verbessert. Von der gefürchteten Abwehr, die uns vor zwei Jahren keine Chance ließ (Null Tore auf RB-Seite), ist nur noch Mouaya übrig. Während man in der Aufstiegssaison einen sagenhaften Wert von 0,44 Gegentoren/Spiel hatte, waren es in der letzten Saison schon 1,32 Gegentore/Spiel. Geschossen wurden auch weiterhin nicht viele Tore, aber viele knappe Siege sicherten letztendlich den Klassenerhalt. In der Saisonvorbereitung absolvierte der HFC sechs Testspiele, bei denen man u.a. 3:0 gegen Lok Leipzig und 2:0 gegen Auerbach gewann und 0:2 gegen Erzgebirge Aue verlor.
“Verloren” ist neuerdings auch im Sprachgebrauch der rot-weißen Leipziger zu finden. Zuletzt erlitt man zwei knappe 0:1-Pleiten gegen die starken Dänen vom HB Køge und gegen den Erstligisten Hertha BSC. Den Riss der ewig langen Ungeschlagen-Serie nahm man aber mit Humor und überhaupt scheint momentan ein gute Stimmung bei RB und in Leipzig zu herrschen. Die sieben Neuzugänge, die schon jeder kennt und bestaunt hat, fanden sich gut ins Team und haben teils Startelf-Formate. Im Gegensatz zu den Saalestädtern ist ein größerer Teil der damaligen Mannschaft immer noch im Kader, einen großen Umbruch gab es seitdem nicht. In Sachen Eingespieltheit könnte man von einem Vorteil sprechen auch vom Spielermaterial, aber es wurde in den letzten Tagen besonders oft und selbst von höchster Stelle betont, dass RB Leipzig keinen Aufstiegszwang hat und sich nicht in einer Favoritenrolle fühlt. Nichtsdestotrotz muss man sich mit solch einer im Auftaktspiel abfinden und dieser auch gerecht werden, denn schon am zweiten Spieltag wartet so ein richtiger Aufstiegskandidat auf uns. Dass die Fans absolut heiß auf das Duell sind, steht außer Frage, den Spielern geht es genauso, also warum sollte ein Sieg nicht möglich sein?
Über die Bullen-Startelf kann man nur mutmaßen, Zorniger ließ nur verlauten, dass mindestens zwei Stürmer auflaufen werden und drei Systeme zur Auswahl stehen. Ob nun 4-3-3, 4-3-1-2 oder auch 4-1-3-2, sicher ist nur bei wenigen Spielern, dass sie von Anfang an spielen werden. Das sind Fabio Coltorti, Daniel Frahn, Christian Müller und Niklas Hoheneder. Gute Chancen haben zudem (von Abwehr nach Sturm) Willers, Jung, Kaiser, Schulz, Fandrich, Rockenbach und Poulsen. Defintiv, und durch Verletzungen bedingt, werden Morys, Kimmich und Franke kein Thema für das Spiel sein.
Voraussichtliche Aufstellung:
Coltorti - Jung, Hoheneder, Willers, Müller - Fandrich, Kaiser, Schulz - Rockenbach - Poulsen, Frahn
Der HFC gegen RB Leipzig als Auftaktspiel der dritten Liga, vor den Augen von ‘roundabout’ 14.000 Stadionbesuchern und hundertausenden Zuschauern vor dem Fernseher, verspricht so einiges. Ob die Erwartungen erfüllt werden, bleibt abzuwarten. Gemäß nach RB-Tradition gibt es zu Beginn jeder Saison ein (fast-)Remis und die bisherigen Duelle gegen Halle befürworten auch kein Fussballspektakel. Aber die Stimmung auf den Rängen, wenn langsam draußen die Sonne unter geht und das Flutlicht des Erdgas-Sportparkes erstrahlt, wird wieder phänomenal sein. Seit der letzten großen Feier sind gerade mal 47 Tage vergangen und schon heute feiern wir einen großartigen und friedlichen Auftakt in die erste Drittligasaison unserer Geschichte und natürlich auch die ersten drei Punkte. ;)
Dabei wünschen wir der Mannschaft und dem Trainerteam viel Erfolg. Wer sich keine Karte für den Auswärtsknaller erhaschen konnte, kann das Spiel im Fanradio und unserem brandneuen RB-Fans.de Liveticker verfolgen. Oder ihr schaltet den MDR ein oder verfolgt den Livestream des Senders. Der Chat steht natürlich auch wie immer zur Verfügung.
1. Spieltag: Hallescher FC - RB Leipzig
Anstoss: 19.07.2013 20:30 Uhr / Erdgas-Sportpark
Schiedsrichter: Frank Willenborg (Osnabrück)
Bisherige Spiele zwischen beiden Mannschaften:
20.11.2010 - Hallescher FC - RB Leipzig 0:0
15.05.2011 - RB Leipzig - Hallescher FC 2:0
10.12.2011 - RB Leipzig - Hallescher FC 0:1
19.05.2012 - Hallescher FC - RB Leipzig 0:0
Anfahrtshinweis für PKW-Fahrer:
Autofahrer nutzen die Parkplätze am Südstadtring (Wegbeschreibung). Von dort aus fahren Shuttle-Busse zum Stadion.
DrSchuh