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Rot-Weiß vs. Rot-Weiß - Erfurt fordert zum Duell

Rot-Weiß vs. Rot-Weiß - Erfurt fordert zum Duell

Es ist eines dieser Highlights der Saison. Erfurt ist neben Aue die einzig verbliebene Profimannschaft aus Mitteldeutschland, die noch kein Pflichtspiel gegen RB bestritt. Aber auch als direkter Tabellennachbar bringen die Thüringer eine extra Portion Brisanz mit.

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Wer am Samstag beim Spiel gegen Rot-Weiß Erfurt nicht im Stadion sein kann, hat wie gewohnt die Möglichkeit (neben dem Fanradio), das Spiel über den Liveticker zu verfolgen. Zudem stellt der MDR erneut einen Livestream bereit, zeigt das Spiel aber auch live im TV.


Wer trägt rot-weiß und kommt aus Österreich? Walter Kogler! Der gebürtige Wolfsberger übernahm in der neuen Saison den Traditionsverein Rot-Weiß Erfurt. Ein wenig schmunzeln muss man doch bei dem Gedanken, dass RB Leipzig und die österreichische Brause in Erfurt besonders große Ablehnung erfährt und gerade einer aus dieser Region in den letzten Wochen den städtischen Verein zu einem Team entwickelte, welches nach 4 Spieltagen oben mitmischt.

Genau wie Leipzig holte man sich aus den bisherigen Partien acht Punkte, fegte unter anderem Halle mit 3:0 weg und war mit dem 3:3 in Münster bei einer der umkämpftesten Partien beteiligt. Das bedeutet momentan den 6. Platz vor RB mit einem besseren Torverhältnis.

Nachdem letztes Jahr Erfurt lange Zeit im Abstiegskampf steckte, konnte man sich in der zweiten Halbserie auf den 13. Platz retten. Ex-Trainer Alois Schwartz zog es dann nach Sandhausen und Kogler übernahm. Dieser verstärkte das Team mit 14 neuen Akteuren, die Hälfte davon aus der eigenen Jugend. Dementsprechend stellt RW Erfurt nach Unterhaching und den beiden U23-Mannschaften den jüngsten Kader der Liga. So hatte man das Team nicht gerade als Top-Favorit auf den Aufstieg auf dem Zettel, sondern eher als Mittelfeldteam mit leichten Tendenzen zur Abstiegszone. Abgänge wie die von Smail Morabit (zur Leihe beim 1. FC Heidenheim), Dominick Drexler (Greuther Fürth), Joan Oumari (FSV Frankfurt) und Phil Ofosu-Ayeh (MSV Duisburg) wurden zwar durch André Laurito (vom SSV Jahn Regensburg), Luka Odak (von Unterhaching) und Stefan Kleineheismann (von Kickers Offenbach) nur teilweise kompensiert, konnten aber in den ersten vier Spielen zum bisherigen Erfolg ihren Beitrag leisten.

In der zahlreich neu bestückten Mannschaft findet man aber auch einige bekannte Namen, wie Innenverteidiger Jens Möckel (ehemals FC Sachsen Leipzig und Dynamo Dresden) und Mittelfeldmann, Kapitän und Elfmeterexperte Nils Pfingsten-Reddig, der an fünf der acht Tore beteiligt war. Im Sturm wirbelt normalerweise der Niederländer Mijo Tunjic. Dieser muss eine Sperre von drei Spielen absitzen, nachdem er gegen Preußen Münster nach einer Tätlichkeit Rot sah. Erfurt trifft es aber noch härter, denn nach der Ampelkarte für Aykut Öztürk fehlt auch dieser wichtige Offensivmann am Samstag. Ersetzt werden beide voraussichtlich durch Mario Fillinger im Mittelfeld und Morten Nielsen im Sturm. Kogler muss zudem auch noch auf Neuzugang Simon Brandstetter verzichten, der bis Ende August verletzt ist. Auch der Verlust wiegt schwer, war er doch der einzige Torschütze im zuletzt mageren Remis gegen Burghausen. Für ihn könnte einer der ehemaligen Jugendspieler einspringen (Stolze oder Nietfeld). Alles keine gute Vorzeichen für das Derby gegen RB. Um die Abwehrreihe zu knacken, die zuletzt den Duisburgern kaum eine Chance ließ, wird schon ein kleines Wunder von Nöten sein oder ein sehr glückliches Händchen von Walter Kogler.
In einem Punkt sind die Domstädter den Leipzigern aber um einiges voraus, nämlich wenn es um die Erfahrung in der dritten Liga geht: denn Rot-Weiß Erfurt ist sozusagen das Urgestein der dritten Liga, spielt seit der Gründung mit und hat seitdem in 194 Spielen 275 Punkte geholt - erster Platz in der ewigen Tabelle!

39 Plätze weiter unten findet man dann erst den Drittliga-Neuling aus Leipzig. Nach vier Spielen kann man mit einer Ausbeute von acht Zählern ganz zufrieden sein, daheim läuft es aber noch nicht ganz rund und so verlor man in zwei Heimspielen etwas unglücklich vier Punkte. War es gegen Münster noch selbstverschuldet half im letzten Spiel der Schiri mit seinem gegebenen Abseitstor zum Punktgewinn der Duisburger Zebras nach. Ein Problem, das keins wäre, wenn unsere Offensive ihren Namen gerecht geworden wäre. Zwar hatte man mehrere Chancen als der MSV (zwei) auf Lager, aber ein verwertbarer Abschluss fand nur selten statt und das bei drei Stürmern. Zorniger sprach zwar von einer guten Leistung und lobte öffentlich, aber seine Körpersprache erzählt meistens mehr. Und die besagt leicht überspitzt: “Wenn es nicht bald im gegnerischen Tor knallt, knallt es in der Kabine”. Dabei kann man ja immerhin sagen, dass RB in jedem Spiel mindestens ein Tor schießt, aber auf der anderen Seite fangen wir in jedem Heimspiel genauso viel. Und Vorsicht sollte am Samstag trotz der vielen Offensivausfälle des Gegners angesagt sein.

Zorniger plagen dabei kaum Personalsorgen: Der rotgesperrte Willers wird entweder von Sebastian oder wieder von Franke vertreten, Judt wird weiterhin Müller ersetzen und im Sturm hat Poulsen nach seinem Länderspieleinsatz auch wieder gute Chancen auf einen Platz in der Startelf. Fraglich ist, ob Zorniger sein 4-3-3 System behält oder wieder ins 4-3-1-2 wechselt. Letztere Option könnte Rockenbach wieder ins Gespräch bringen, während Morys und Kammlott auf der Bank Platz nehmen würden. Wie es letztendlich kommt, wird man erst eine halbe Stunde vor Anpfiff erfahren, aber wenn wir mit einer Systemumstellung kalkulieren wird es ungefähr so aussehen:

Coltorti - Judt, Hoheneder, Sebastian, Jung - Fandrich, Kaiser, Schulz - Rockenbach - Poulsen, Frahn

Ähnlich wie bei der Aufstellung kann man zum Spiel allgemein auch nur viel mutmaßen. Beide Mannschaften haben noch nicht gezeigt wo sie wirklich stehen. Durch die Ausfälle von Erfurt wird der Gegner zur kleinen Wundertüte, RB steht dagegen schon fast in der Pflicht das erste Heimspiel zu gewinnen, hat sich aber noch nicht auf ein System geeignet und ist noch nicht zu hundert Prozent eingespielt. Die Thüringer werden sehr motiviert ins Spiel gehen und können sich auf Unterstützung aus dem Gästeblock verlassen. U.a. fährt ein Sonderzug aus Erfurt und durch die Fanfreundschaft zu Probstheida und Halle werden auch von dort zahlreiche Personen kommen, die sich ziemlich wahrscheinlich nicht nur auf den Support konzentrieren werden.

Insgesamt könnte zu mindestens der Unterrang des Gästeblocks voll werden, evtl. muss aber auch zum ersten mal der obere Teil geöffnet werden, immerhin fehlt ja seit dem Abstieg von Jena das wirklich große Highlight der Saison. Wir Leipziger müssen uns da aber gar nicht verstecken, bei bisher 7500 vorverkauften Karten und zuletzt (zu) großen Ansturm auf die Tageskassen sollten über 10.000 RB-Fans kein größeres Thema sein. Kommt pünktlich und kommt zahlreich! Im ersten großen Duell gegen den Traditionsverein aus Erfurt braucht es größtmögliche Unterstützung von den Rängen, damit es endlich zum ersten mal in der Saison heißt: “Heimsieg für die Roten Bullen”.

Dabei wünschen wir Trainer Zorniger und dem Team viel Erfolg und allen Fans im Stadion ein schönes Erlebnis.

DrSchuh