Saisonfazit III – Die größte Enttäuschung der Saison
Es gab in dieser Saison trotz aller positiven Momente auch einige deutliche Enttäuschungen. Vor allem in den Spielen gegen die Top-Teams der Liga haben wir kaum Punkte geholt – und das sogar ohne zusätzliche Doppel- oder Dreifachbelastung. Gegen Mannschaften wie Stuttgart oder Leverkusen wurden wir phasenweise regelrecht vorgeführt. Auch gegen Bayern waren zwar oft gute erste 45 Minuten dabei, aber insgesamt war das einfach zu wenig, um wirklich etwas Zählbares mitzunehmen.
Im Kader selbst haben mich besonders Maksimović und Bakayoko enttäuscht. Bakayoko ist eigentlich stark in die Saison gestartet, konnte danach aber kaum noch Argumente liefern und hat deutlich nachgelassen. Auch Maksimović hat die Erwartungen nicht erfüllt. Der „Serben-Messi“ (Marko Marin) kam kaum zum Zug und stand nicht einmal im letzten Spiel im Kader. Ebenfalls schwierig zu bewerten ist Conrad Harder: als Mentalitätsmonster zwar absolut wertvoll, aber im Gesamtgefüge der Mannschaft wirkt er teilweise wie ein Fremdkörper.
Die größte Enttäuschung war für mich allerdings die Saison der RB Leipzig Frauen. Vor der Spielzeit war noch von einem Platz unter den Top 6 die Rede – dieses Ziel wurde klar verfehlt. Verletzungsprobleme spielen sicher eine Rolle, aber auch spielerisch war das über weite Strecken zu wenig. Nun steht erneut ein Umbruch an, und nächste Saison muss einfach deutlich mehr kommen.
Rojiblanco

War Maksimović' auffälligste Aktion die Spielervorstellung?
Bei aller Freude über Diomande, aber es gab zumindest für die erste Saison auch einige Fehlgriffe bei den Neuzugängen. Conrad Harder hat über 24 Mio. € gekostet, aber was Spielverständnis, Technik und Ruhe am Ball angeht, ist da mit 21 Jahren wirklich noch sehr viel Luft nach oben. Ob er jemals das Potenzial für ein Topteam in der Bundesliga hat, darf bezweifelt werden, auch wenn es am Einsatz bei ihm nicht mangelt.
Auch Johan Bakayoko ist für mich eine riesige Enttäuschung, da er mit Eindhoven und auch als EM-Spieler für Belgien eigentlich unser Topneuzugang war. Er wirkte teilweise nicht austrainiert, was man sich bei den Rahmenbedingungen im Trainingszentrum gar nicht vorstellen kann. Bei beiden Spielern bin ich gespannt, ob man ihnen auch nächste Saison eine Chance gibt oder frühzeitig die Reißleine zieht.
Jupp

Bakayoko startete mit einer Nominierung zum Rookie der Saison, danach kam wenig.
Man muss knallhart sagen, dass auch in dieser Saison nicht alles Gold war, was glänzt. Blickt man auf die Startelf in den meisten Spielen, muss man ganz klar zu dem Entschluss kommen, dass die Neuzugänge – so talentiert sie auch sein mögen – bis auf wenige Ausnahmen noch nicht die Erwartungen erfüllen konnten. Und die bisher genannten Namen sind da auch absolut richtig benannt. Dennoch muss ich sagen, dass ich mich für beide Mittelstürmer als Enttäuschung der Saison entscheide.
Jetzt werden sich viele vielleicht wundern, warum für mich Rômulo eine Enttäuschung ist, denn der Brasilianer bringt sehr viele wertvolle Komponenten für unser Spiel mit. Er ist als erster Pressingspieler sehr stark. Er bringt in vielen Punkten eine gute Technik mit und ist vor allem als Wandspieler für seine Offensivpartner drumherum. Aber er hat zwei für mich eklatante Schwächen. In meinen Augen ist er in vielen Momenten zu langsam. Sein Topspeed ist bei knapp über 34 km/h. Er ist jetzt nicht der langsamste Stürmer aller Zeiten. Dennoch entgehen ihm durch die fehlenden ein bis zwei km/h wichtige Sprintduelle, die ihn noch besser in manche Abschlusspositionen bringen würden. Vor allem aber hat er wirklich Abschlussschwächen. Neun Tore aus 14,36 xG und 22 vergebene Großchancen sind einfach zu viel. Das muss sich nächste Saison dringend bessern.
Bei Harder gibt es vor allem einen Schnittpunkt mit Rômulo. Die Abschlussschwäche. Die ist auf dem Papier nicht so eklatant wie bei Rômulo. Im Eye-Test sieht man dann aber doch, wie viele falsche Entscheidungen der junge Däne trifft. Drei Tore aus 4,08 xG und acht vergebene Großchancen sind ebenfalls extrem wenig. Dadurch, dass Harder aber einfach viel zu oft unnötig und überhastet abschließt, steht er sich selbst zu oft im Weg. Noch dazu verhält er sich aktuell auf dem Platz taktisch noch nicht clever genug. Da ist für einen Mann, der 24 Millionen Euro gekostet hat, definitiv noch Luft nach oben.
Der wahre Fan

Harder dürfte als teuerster Neuzugang in einigen Floplisten auftauchen.
Wer Part1 gelesen hat, kann es sich denken, was meine größte Enttäuschung der Saison ist: Die Wahl von Raum zum Kapitän.
Nichts gegen ihn persönlich. Er ist halt ein anderer Typ Mensch als Willi oder Pete. Ein Lautsprecher, verbaler Pusher und bestimmt cooler Typ. Die Leistung diese Saison hat jedoch gezeigt, dass es nicht viel mehr ist. Viel zu oft hatte ich den Eindruck er spielt den Ball ab und schreit hinterher man solle sich bewegen, ohne selbst die Beine zu benutzen.
Vielleicht wächst er in die Führungsposition nächste Saison rein und untermauert sein "großes Maul" mit sportlicher Leistung. Ich wünsche es mir, in der gesamtlichen Betrachtung, stand jetzt, bleibe ich enttäuscht von der Wahl von ihm zum Kapitän.
tony4arsenal

Ist Raum wirklich der geeignete Kapitän?
Spielerisch war der Auftritt bei Union Berlin einer der Tiefpunkte der Saison – wenn nicht sogar der Tiefpunkt schlechthin. Gegen die biederen Eisernen, die in dieser Spielzeit weit entfernt von ihrer früheren Garstigkeit agierten, derart ideenlos aufzutreten, war schon erschreckend. Dass Leipzig dabei sogar weniger xG produzierte als in den Duellen mit den Bayern, unterstreicht die Harmlosigkeit dieses Auftritts. Überhaupt war die Schwankungsbreite in den Wochen vor der Winterpause kaum zu greifen: Zwischen Kantersiegen gegen Augsburg und Frankfurt sowie chancenarmen Vorstellungen gegen Hoffenheim, Union und Leverkusen lagen oft nur wenige Tage. Einer der Gründe, warum ich mit Werner nach wie vor „ha(r)dere“.
Passend dazu eröffnet Harder die Top 3 der Saisonenttäuschungen. Für keinen anderen Neuzugang legte Leipzig mehr Geld auf den Tisch, dennoch konnte sich der Däne nie nachhaltig aufdrängen. Selbst ein in der Rückrunde zunehmend abbauender Rômulo war für ihn keine ernsthafte Konkurrenz. Die Anlagen sind durchaus erkennbar: Pro 90 Minuten gaben nur Kane und Undav mehr Schüsse ab. Allein bei der Ausbeute blieb er deutlich hinter den Erwartungen zurück – Platz 59 bei den Toren pro 90 Minuten unterstreicht seine Harmlosigkeit.
Neben ihm findet sich Bakayoko wieder, der innerhalb eines Jahres rund ein Drittel seines Marktwerts einbüßte. Nach einem ordentlichen Saisonstart tauchte der Belgier zunehmend ab. In diesen Tiefen traf er schließlich auf Lukas Klostermann, der dort schon seit geraumer Zeit auf Schleichfahrt unterwegs ist. Als einer der Topverdiener des Kaders liefert er in den letzten zwei Jahren zu selten Argumente dafür, warum er diese zu jenen gehört.
Rumpelstilzchen

Für Topverdiener Klostermann war es eine gebrauchte Saison – trennen sich die Wege im Sommer?
Was kann der Tiefpunkt einer Saison sein, die trotz der Vorzeichen eine ziemlich gute war? Da einzelne Neuzugänge bereits genannt wurden, gehe ich hier auf eine höhere Ebene. Die Erkenntnis, dass RB nach wie vor nicht mit großen und bulligen Stürmern kann. Der letzte dieser Art war ein gewisser Patrick Schick, dessen kurze RB-Ära durch einige wichtige Aktionen (wir denken an seine grandiose Ballannahme und den damit rausgeholten Elfmeter in der Champions League) und seinen Erfolg bei seiner aktuellen Station in Leverkusen auch beschönigt wird. Seitdem hat man es mit Sørloth und Silva versucht und startete diese Saison gleich mit zwei bulligen Stürmern in die Saison. Während Rômulo durch seine mitspielende Art den Außenbahnspielern die nötigen Räume brachte, wirkte Harder zumeist wie ein großer, blonder Fehler im RB-Spiel. Man möge den beiden jungen Stürmern bitte noch mindestens eine Saison geben und besonders bei Rômulo kann man davon ausgehen, dass er nicht wieder unter seinen xGoals bleibt, frustrierend bleibt dies jedoch trotzdem. Besonders, da so ein Stürmertyp am Ende über Titel und Nicht-Titel entscheiden könnte.
Alex Hell