Saisonfazit IV – Kaderbaustellen
In der Innenverteidigung wird uns voraussichtlich Lukeba verlassen, und Bitshiabu wird den hohen Ansprüchen auf Dauer (noch) nicht wirklich gerecht. Dadurch besteht dort klarer Bedarf für gleich zwei Neuzugänge.
Im defensiven Mittelfeld wäre zudem ein Ersatz bzw. eine Alternative zu Seiwald sinnvoll – ein klassischer „Staubsauger“ vor der Abwehr, idealerweise mit internationaler Erfahrung, der auch bei Dreifachbelastung sofort funktioniert und nicht erst entwickelt werden muss.
Im Angriff brauchen wir außerdem zwingend einen echten Top-Stürmer. Harder hat bislang enttäuscht, und auch Rômulo wirkt eher nicht wie der klassische Torjäger, auch wenn er spielerisch und für das Kombinationsspiel innerhalb der Mannschaft wichtig ist.
Rojiblanco
Ich schließe mich meinem Vorredner an: RB Leipzig muss personell in der Defensive nachbessern, insbesondere in der Innenverteidigung aber auch außen.
Zwar stellte Leipzig lange Zeit in der Saison die drittbeste Abwehr der Bundesliga, offenbarte gegen direkte Konkurrenten aus dem oberen Tabellendrittel jedoch erhebliche Schwächen. Sobald die Gegner spielerische Klasse mitbrachten, geriet das Team von Ole Werner oft ins Hintertreffen. Vier deutliche Kanterniederlagen, die auch die Verantwortliche wie Klopp oder Mintzlaff auf der Tribüne leidvoll miterleben mussten, verdeutlichen dieses Defizit.
Da in der kommenden Saison durch das neue Champions-League-Format acht zusätzliche Top-Gegner warten, steigt der Druck auf die Defensive weiter. Wie stark krachende internationale Niederlagen die Moral einer Mannschaft belasten können, hat das Beispiel Frankfurt in dieser Spielzeit gezeigt. Bleiben Verstärkungen in der Abwehr aus, droht Leipzig wolmöglich ein ähnliches Schicksal. Die schwachen Auftritte gegen Teams wie Bayern, Bayer oder Freiburg sind ein klares Warnsignal.
rolei79

Braucht RBL noch einen neuen Stürmer?
Nachdem diese Saison der Fokus auf der Offensive lag, muss der Fokus jetzt auf der Abwehr liegen, wenn man die Offensive zusammenhalten kann. Konkret benötigen wir:
- einen starken Rechtsverteidiger mit einem Fokus auf defensive Stabilität wie Simakan oder Mukiele, da Raum auf der linken Seite sehr offensiv ist, Raum und Baku zusammen auf dem Platz sind gegen Topteams zu offensiv
- da uns Lukeba, Klostermann und Bitshiabu wohl verlassen werden, braucht es drei neue Innenverteidiger
- Haidara und Kampl sind während der Saison gegangen und auch Schlager ist weg, also ist ein weiterer Sechser nötig, da Reitz und Banzuzi eher auf der 8 spielen
- ein Stürmer mit starkem Torabschluss würde mir ebenfalls gefallen. Rômulo und Harder kommen zusammen auf lediglich 12 Treffer in der Bundesliga
- wird Maksimović verliehen, ist auch ein Backup hinter Baumgartner denkbar, vielleicht fragt man nochmal bei Harvey Elliott an.
Jupp

Im Zentrum fehlt noch ein echter Sechser der Seiwald entlasten kann.
Ich werde meine Kaderbaustellen benennen und versuchen, sie mit konkreten Namen zu füllen.
Für mich ganz oben auf der Prioritätenliste ist ein LIV. Sollte uns Bitshiabu verlassen, werden daraus zwei LIVs. Ein Name der in meinen Augen dort zwingend diskutiert werden muss, ist Diogo Leite. Ja, er ist schon älter als das angegebene Profil, ja er spielt „nur“ bei Union Berlin, dennoch ist er aus folgenden Gründen interessant. Er ist Linksfuß, hat extrem viel Bundesligaerfahrung und auch schon CL und EL gespielt und er kennt sowohl Dreier-als auch Viererketten. Vor allem aber ist er ablösefrei. Wäre für mich ein Kandidat, wenn man Bitshiabu zutraut, Stamm-LIV zu werden und einen Herausforderer sucht.
Als Nächstes ist meiner Meinung nach ein Sechser wichtig. Ja, Seiwald hat sich gesteigert, benötigt aber einen Backup. Kennet Eichhorn wäre hier die sinnvollste Wahl gewesen. Er fordert aber laut Medienberichten ganz schön viele Bedingungen für einen Wechsel. Möchte man sich darauf einlassen? So wie ich die Verantwortlichen einschätze, eher nicht. Aus dem Grund denke ich, man wird sich da nochmal anderweitig umschauen. Zuletzt genannte und auch passende Namen wie Sergi Altimira von Real Betis und Otto Rosengren von Malmö FF (der ehemalige Verein von Emil Forsberg) zeigen, dass man sich dem auch bewusst ist, dass man hier was tun sollte.
Neben einer Festverpflichtung des polyvalenten Gruda sollte im offensiven Zentrum und den Flügelpositionen zumindest auf der Zugangsseite nichts passieren. Wo man aber zwingend noch was tun sollte, ist auf der Stürmerposition. Begründet auf meiner Kritik aus dem vorherigen Saisonfazit, sollte man hier zwingend nachjustieren und einen abschlussstarken mit vernünftigem Tempo holen. Da sich mein persönlicher Wunschname Joaquín Panichelli das Kreuzband gerissen hat, muss eine Alternative her. Ich würde mich an der Stelle für Dzenan Pejcinovic entscheiden. Ja, auch er hat „nur“ acht Tore. Aber das ganze bei bedeutend weniger Minuten (1482 vs 2204), einem bedeutend geringeren xG-Wert (7,87), was in dem Fall der klar bessere Wert ist und er spielt bei Wolfsburg, einer Mannschaft, die in sich lange nicht funktioniert hat. Gib dem Jungen dieses und ich glaube, der kann richtig aufspielen.
Der wahre Fan

Gruda als offensives Schweizer Taschenmesser?
Für mich ist die defensive Instabilität nennenswert, die sich schon über zwei volle Saisons hinweg offenbart. Dabei bildet Marco Roses letzte Saison das Schlusslicht, während in der vergangenen Saison unter Ole Werner diese sich zwar verbessert hat, aber immer noch statistisch nachgewiesen erhebliche Mängel aufweist. In den letzten zwei Spielzeiten wurden 85 Pflichtspiele bestritten. Dabei fielen 122 Gegentreffer, was einen Schnitt von 1,44 Gegentreffer pro Spiel bedeutet. Dieser Durchschnitt wird den gehobenen Ansprüchen nicht gerecht, erst recht nicht, wenn man international bestehen möchte.
Die Werte der letzten beiden Spielzeiten in Sachen xGA (zugelassene gegnerische Torgefahr), gegnerische Torschüsse und erhaltene Gegentore gehören zu den schlechtesten Saisonparametern in der 10-jährigen Bundesligageschichte RB Leipzigs. Eine Ausnahme bildet die zweite Bundesligasaison unter Ralph Hasenhüttl. In Korrelation zur defensiven Instabilität befindet sich auch der nachlassende Ballbesitz bzw. die fehlende Spielkontrolle. War die Spielkontrolle unter Julian Nagelsmann und anfänglich unter Marco Rose noch sehr dominant und dem Gegner wurde kaum der Ball überlassen, so ließ die Idee des Offensivpressings, der Balleroberung und die Idee einer variantenreichen Spielgestaltung im Laufe der Jahre immer weiter nach.
Meiner Meinung nach hängt dies mit den vielen Spielerverkäufen von Leistungsträgern vergangener Spielzeiten zusammen, so dass der neu eingekaufte und nun vorhandene Spielerkader einerseits nicht mehr die nötige Qualität besitzt und andererseits auch nicht genug reifen kann, weil die Durchlaufzeit vieler guter Spieler immer kürzer wird im Verein und somit sich keine ausreichende Entwicklungszeit für die Teamtaktik und Teamdisziplin kristallisieren kann.
Insbesondere die defensive Instabilität litt nach den Abgängen von Joško Gvardiol, Mohamed Simakan, Marcel Halstenberg und Konrad Laimer sehr. Die vorhandenen Spieler der vergangenen zwei Spielzeiten im defensiven Mittelfeld wie auch in der Abwehr haben es nicht geschafft, diese Qualitäten der früheren Spieler aufzufangen. Andererseits ist dies aber auch geschuldet durch die insgesamt nachlassende Spielkontrolle, so dass selbst gegen Teams der unteren Tabellenhälfte oft der Eindruck erscheint, dass beide Teams im Spiel auf Augenhöhe agieren.
Hier müsste sich zukünftig RB Leipzig im Kader konstanter aufstellen, die Spieler zusammenhalten über eine oder zwei weitere Saisons, sich punktuell verstärken und taktisch sich so weiterzuentwickeln, dass das Team es schafft, wieder mehr Spielkontrolle zu erlangen und defensiv weniger zuzulassen. Gelingt dies nicht, wird auch in der neuen Saison, egal unter welchen Trainer, insbesondere in der Champions League, dieser Sachverhalt deutlich werden.
RBoligei

Offensiv hui, defensiv naja.
Mit Blick auf die Defensivwerte und den letztjährigen Fokus auf Zugänge in der Offensive stellt aktuell die Abwehr die wohl größte Kaderbaustelle dar. Besonders auffällig ist dabei die für ein Topteam hohe Anzahl an Gegentoren in den letzten zwei Spielzeiten. Zudem drohen weitere Abgänge, welche den Kader weiter ausdünnen und schwächen würden. Außerdem konnte sich die zweite Garde auch in der abgelaufenen Saison erneut nicht aufdrängen.
Dieses Problem muss mit der offensiven Viererkette und einem Kader ohne richtige Sechser (Seiwald mit Abstrichen außen vor) vermutlich auch weiträumiger gefasst werden. Die mit zwei sehr angriffsorientierten Außen besetzte Abwehr ist diametral alten Leipziger Viererketten mit halben Innenverteidigern vom Schlage eines Mukiele, Simakan oder Halstenberg entgegengesetzt. Mit einer solchen Besetzung war es deutlich einfacher, hinten die Null zu halten. Das ist mit den konstant-offensiven Ausflugsversuchen a la Baku und Raum deutlich schwerer, da dies zu einer inhärenten Verknappung der Ressourcen für eine stabile Restfeldverteidigung führt.
In der Innenverteidigung bahnt sich ein Abgang von Lukeba an, der dem Vernehmen nach diesen Sommer versilbert werden soll. Mit Orbán steht ein weiterer alter Recke vor seinem baldigen Karriereende. Auch bei Klostermann (Topverdiener ohne Chance auf Einsätze) und Raum (will wohl nach England und hat einen auslaufenden Vertrag) könnten Wechsel bevorstehen. Auf der Zugangsseite hat RBL zwar bereits Koné klargemacht, er wäre aber eher der mittelfristige Ersatz für Orbán (beide Rechtsfüße). Ob Bitshiabu in die Fußstapfen eines Lukeba treten kann, ist auch im Rückblick auf einige Spiele diese Saison noch sehr unklar.
Für eine Dreifachbelastung wäre der Kader in der Defensive – sollten die Abgänge eintreten – also nicht ausgelegt und selbst in Topbesetzung war es gerade in den Spielen gegen Gegner mit Champions League Ambitionen teilweise diese Saison ein Ritt auf der Rasierklinge.
Schäfer und Werner sind also gefordert: Welche Zugänge sind finanziell möglich? Will man weiterhin eine offensive Viererkette auflaufen lassen oder den potenziellen Abgang von Raum für eine asymmetrischere Aufstellung nutzen? Will man sich seit langem mal wieder einen echten Sechser leisten (Eichhorn holen und aufbauen?). Wer könnte nach einem Abgang von Lukeba auf der LIV spielen? Viele Fragen, für die es bisher noch keine Antworten gibt.
Rumpelstilzchen