Header Image
Saisonfazit V – Fanentwicklung

Saisonfazit V – Fanentwicklung

Die vorletzte Kategorie unseres Rückblicks – diesmal mit Blick auf unsere Fans und deren Entwicklung im Laufe der Saison.

Um ehrlich zu sein, hat sich aus meiner Sicht in dieser Saison insgesamt nicht allzu viel entwickelt. Die Zahlen der Auswärtsfahrer sind zwar weitgehend konstant geblieben, aber gerade ohne Dreifachbelastung hätte ich eigentlich mit einem spürbaren Anstieg gerechnet. Insgesamt schaffen wir es aus unterschiedlichen Gründen weiterhin nicht, mehr Leute dauerhaft fürs Auswärtsfahren zu begeistern.

Auch die Stimmung im eigenen Stadion war sehr wechselhaft – mal richtig gut, mal eher enttäuschend. Dabei dreht sich die Diskussion immer wieder um die bekannte Trennlinie zwischen aktiver Fanszene und dem restlichen Fanblock. Was mich ebenfalls enttäuscht hat, ist, wie schnell das Stadion nach Abpfiff regelmäßig leer wird. Klar, weiter Heimweg, zu wenig Bahnen der LVB und ähnliche Argumente werden oft genannt – aber das ist in vielen anderen Stadien genauso, teilweise sogar unter schwierigeren Bedingungen. Für mich sind das daher oft eher Ausreden als echte Erklärungen. Wo ist die viel beschriebene Entwicklung unserer Fanszene, auf die gerne mit Bezug auf den noch jungen Verein verwiesen wird? Aktuell ist das eher Stillstand statt Fortschritt und Weiterentwicklung.

Positiv bleibt immerhin, dass die No-Show-Rate reduziert werden konnte, auch wenn es insgesamt weiterhin zu viele leere Plätze gibt.

Rojiblanco


Das Zwo9er öffnete wieder die Pforten.


Ich sehe eine zweigeteilte Entwicklung. Die absoluten Zahlen sind durch die Verringerung der No-Show-Rate zwar gestiegen, aber der Anteil, der sich einfach mal nur das Spiel anschaut, steigt immer weiter. Dinge wie, dass Leute schon während des Spiels das Stadion verlassen oder mit Abpfiff gehen, verstärken sich immer weiter. Auch die Anspruchshaltung wird nicht geringer. Da erreichen wir am vorletzten Spieltag Platz 3 gegen Sankt Pauli und für viele Fans ist das ganz offensichtlich selbstverständlich nach der letzten Saison und auch dem bescheidenen Start in die Saison. Es braucht wieder mehr Fans zu Hause und auswärts im Stadion, die sich aktiv einbringen und nicht einfach nur Spiele konsumieren. Dann ist die Stimmung auch wieder besser und der Stadionbesuch macht wieder mehr Spaß. Das schafft man nur mit mehr Fannähe als Verein, aber auch mit aktiven Fans und Fanklubs, die sich entsprechend einbringen. 

Jupp


Die Entstehung der Poulsen Choreo.


In Sachen Fanentwicklung gibt es immer noch einiges zu tun. Ja, man hat die höchste durchschnittliche Auslastung aller Zeiten hinbekommen und die Maßnahmen zur Senkung der No-Show-Rate sind gut. Ich sehe aber dennoch leider viele Punkte, mit denen ich nicht zufrieden bin. 
Punkt eins zeigte sich beim Finale der Conference League eindeutig. Unsere Schüssel kann laut sein. Sehr laut sogar. Dafür braucht es aber alle im Boot. Jeden einzelnen. Das Spiel in der letzten Woche zeigte ganz klar, dass wir hier noch sehr viel Luft nach oben haben. 
Punkt zwei sind die Auswärtsfahrerzahlen. Fairerweise muss man sagen, es war in vielen Spielen besser als in den Vorjahren, aber man hat auch nicht international gespielt. Es gab wenige „Highlight-Spiele“, sodass sich die Zahlen besser verteilten. Ich kann mir noch nicht vorstellen, dass kommende Saison die Zahl der Auswärtsfahrenden weiter steigen wird, auch wenn es wünschenswert wäre. 
Punkt drei - und das ist mein größtes Problem - ist die Frage nach der allgemeinen Entwicklung der Fanzahlen. Kurz- und wahrscheinlich auch mittelfristig wird man in der Gewinnung neuer Fans stagnieren bzw. nur leicht ansteigen, gleichzeitig werden auch unsere bestehenden Fans naturgemäß immer älter. Es bleibt spannend und abzuwarten, wie man diesem Problem entgegentreten möchte. 

Der wahre Fan


Bild zu Artikel

Ehre, wem Ehre gebührt.


Die Fanentwicklung zeigt sich für mich vorrangig im Einklang mit dem Erfolg unseres Profiteams, ob insgesamt die Spiele gut verliefen und die Saison erfolgreich sich gestaltete. Im Allgemeinen dringt das OFC-Leben und das Miteinander in der aktiven Fanszene nicht an die Öffentlichkeit, so dass ich nichts Großes zu diesem Sachverhalt beitragen könnte. Ich kann nur für mich reden - Insgesamt erkenne ich eine hohe Erwartungshaltung vieler RB-Fans, die sich schnell bei schlechterer Spielweise und bei ausbleibenden Erfolg breit macht. Diese offenbart sich insbesondere in den SoMe-Kanälen mit negativen Kommentaren. Allein bei Facebook, wie hier Trainer Ole Werner immens hart kritisiert wird, entbehrt sich für mich jeder Grundlage. Andersherum gibt es bei Instagram mehr positive Stimmen, teils auch bei X. Trotzdem ist die Bereitschaft vieler Fans kaum gegeben, Positives mitzuteilen und daher überwiegen oft die negativen Stimmen.

Insgesamt wird es für uns Fans immer schwieriger, sich mit den Spielern und mit dem Team zu identifizieren, weil gute Spieler immer schneller den Verein verlassen, sowie Legenden aufhören. Auch die sportlichen Verantwortlichen haben es immer schwerer, weil die Ansprüche der Vereinsspitze (Red Bull Kosmos) stets sehr hoch angesetzt sind. Selbst versuche ich mich von all diesem abzukapseln, mich selbst zu steuern und das Miteinander zu sehen. Hierfür gehe ich regelmäßig ins Stadion, möchte viele bekannte Fans gerne wiedersehen, sich mit ihnen unterhalten und dabei ein Wir-Gefühl pflegen. Ich bin dankbar, dass die aktive Fanszene Stimmung macht und klinke mich aktiv in den Support mit ein. Gemeinsam macht es viel mehr Spaß. Auch nach dem Spiel erweise ich unserem Team die Ehre, unterstütze es, bleibe bis zum Abpfiff und verabschiede das Team und schließlich mich bei den umliegenden Fans. Deshalb kann ich nicht ganz nachvollziehen, dass viele Fans schon vor Schlusspfiff oder mit dem Abpfiff das Stadion verlassen.

Ich habe insgesamt eine Gelassenheit, innere Zufriedenheit, erfreue mich der Möglichkeit ein Teil des Ganzen zu sein und lebe es aus. Spiele von RB Leipzig besuche ich regelmäßig und sehr zeitig, oft zwei Stunden vor dem Spiel, bleibe auch etwas länger nach dem Spiel und genieße den Austausch mit den Fans. Ich mache dies unabhängig von den Ergebnissen, supporte das Team und würde das auch in tieferen Ligen fabrizieren. Dieses Verhalten würde ich mir gerne auch von anderen Zuschauern bzw. RB-Fans wünschen, unabhängig von der Teamleistung. Erfreulich zeigte sich in der vergangenen Saison, dass im Schnitt mehr Fans zu den Auswärtsspielen reisten und ich hoffe, dass sich dieser Trend weiter fortsetzt, wie auch die vielen Choreos, die unsere aktive Fanszene und die OFC's auf die Beine gestellt haben - vielen Dank dafür!

RBoligei