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Sollte sich RB von Ole Werner nach nur einer Saison trennen?

Sollte sich RB von Ole Werner nach nur einer Saison trennen?

Gute Miene im WM-Studio, böse Miene am Cottaweg. Jürgen Klopp und die Red Bull-Führung steht nicht mehr hinter Ole Werner. Nach mehreren Medienberichten soll der Norddeutsche noch diesen Sommer gehen und durch Martín Demichelis ersetzt werden. Doch sollte man wirklich einen neuen Umbruch wagen?
Ole Werner
Spieler im Fokus

Ole Werner

Statistiken der Bundesliga Saison

Als RB-Fan hat man es schon schwer. Da möchte man nach einer langen Umbruchsaison das Gefühl vom Einzug in die Champions League im Herzen tragen und in Ruhe die Fußballweltmeisterschaft verfolgen und am Cottaweg überschlagen sich die Ereignisse. Werner vor dem Aus? Schäfer dementiert die Gerüchte nicht? Was zunächst wie eine typische Ente im Sommerloch klingt, scheint dann doch mehr Wahrheit zu beinhalten. Mit Martín Demichelis steht wohl schon als Nachfolger parat. Doch warum steht Werner intern zur Diskussion? Bei meinen Gedanken dazu komme ich schlussendlich vielleicht zu einem etwas ernüchternden Fazit. 

Auf dem Papier wirkt dies zunächst unverständlich. Ole Werner, ein Trainerkandidat, den man unter den Fans lange skeptisch beäugt hatte, brachte mit seiner ruhigen norddeutschen Art die Kabine hinter sich und schaffte es, den Umbruch einzuleiten. Werner, der die Wunschlösung von Jürgen Klopp war, gelang es mit RB eine mindestens gute Saison zu spielen, in welcher man sich wieder für die Champions League qualifizieren konnte. Besonders gegen schlechtere Teams sah man in dieser Saison besser aus. War genau dies einst das große Problem verschiedenster RB-Trainer, so konnte das Werner-Team im Tabellenkeller zumeist punkten. Eine gute Absicherung und eine stabilisierte Abwehr waren hier zum einen der Schlüssel zum Erfolg. Ein verbessertes Verhalten bei den Kontern mit einem spielstarken 9er war der nächste Teil, den Werner in seiner Zeit angegangen ist. Doch nach der Xavi-Misere der Vergangenheit ist wohl einer der größten Erfolge, dass er aus einem Haufen egoistischer Einzelspieler wieder eine Mannschaft gezaubert hat. Kontroverse Entscheidungen wie die Torhüterwahl oder auch das Kapitänsamt sind am Ende gut getroffen worden. Werner zeigte hier ein Gefühl für die Momente und das Miteinander. Zudem wirkte er immer fannah und bodenständig. Kein Mann mit einer großen Ausstrahlung, aber mit einer sehr nahbaren Art. Warum wird er dann also hinterfragt?

Grundsätzlich ist es richtig und ein sportlich gutes Zeichen, dass man auch eine Saison, in der die Mindestziele erreicht wurden, hinterfragt und nicht ohne Reflexion in die nächste Saison stolpert. Und betrachtet man die Saison, dann gibt es doch so einige spielerische Lücken, die noch gestopft werden müssen. Besonders die Abhängigkeit von Einzelspielern, die unsere Mannschaft durch große Teile der Saison getragen haben, ist langfristig gefährlich. Ohne Diamonde, der nach kurzer Eingewöhnungszeit die Bundesliga erobert hat und Christoph Baumgartner, der seine individuell beste Bundesligasaison gespielt hat, wäre das Erreichen der Königsklasse wohl dann doch schwieriger geworden. Zu häufig setzte man auf individuelle Vorstöße über die Außenbahnen und sobald ein Gegner es verstand die Außen zuzumachen, wirkte die Mannschaft schnell ideenlos. Während man dieses Jahr noch lange mit dem Überraschungseffekt spielen konnte, wird es in der nächsten Saison für kein Team der Welt mehr eine Überraschung sein. Und was passiert, wenn Diamonde es doch nach England verschlägt?


Ein starkes Vorgehen der Verantwortlichen? Nicht überall wird die Entscheidung kritisch hinterfragt.


Gleichzeitig darf man jedoch auch keine Wunder in einer solchen Umbruchsaison erwarten. Werner und sein Team mussten neue Strukturen (auf und abseits des Feldes) etablieren und logischerweise zunächst zu einfachen spielerischen Mitteln greifen, um die Mannschaft wieder auf die Erfolgsspur zu bringen. Es braucht sicherlich mehr Zeit als nur eine Saison, um das volle Potenzial aus der Spielweise von Werner zu holen und neue Ideen zu etablieren. Hier stellt sich die Frage, ob ein erneuter Umbruch auf dem Trainerstuhl tatsächlich einen voranbringenden Effekt erzeugen kann. Stuttgart und Hoffenheim haben in der Vergangenheit bewiesen, dass Kontinuität der Schlüssel sein kann. Die vergangene Saison der VfB-Elf war alles anders als überzeugend und wird retrospektiv durch den Pokalgewinn geschönt. Dennoch blieb man hier Hoeneß treu und konnte sich trotz namhafter Abgänge für die Champions League qualifizieren und stand erneut im Pokalfinale. In Hoffenheim sieht das ganze noch extremer aus. Ilzer stieg in der Vergangenheit beinahe mit der TSG in die zweite Liga ab. Anstatt dass man sich von dem Trainer trennt, der in der Vergangenheit eher durch außergewöhnliche Kabinenansprachen mit merkwürdigen Utensilien bekannt war, sprach man ihm das Vertrauen aus. Dies sollte sich auszahlen.
Zeigt sich hier wieder RBs Größenwahn oder steckt tatsächlich eine fundierte Erkenntnis hinter der Trainerdiskussion?


Ergebnisse lügen nicht.


Doch neben dem Licht der letzten Saison war doch auch einiges an Schatten vorhanden. Betrachtet man die Laufleistung der Mannschaft, so konnte RB, die einst für ihre Intensität bekannt waren, gegen viele Mannschaften nicht mithalten. Im Ligaüberblick steht RB auf einem ernüchternden Platz 15, was gelaufene Kilometer angeht. Zum Vergleich: Die Rennmäuse aus Hoffenheim sind knapp 200 Kilometer in der Saison mehr gelaufen, das sind 5 Kilometer mehr pro Spiel. Dies lässt sich auch nicht durch höheren Ballbesitz oder die Art des Fußballs erklären. Auch die Bayern, die in vielen Spielen die Bundesliga dominiert haben, sind ähnlich weit wie die Hoffenheimer gelaufen. 
Doch wenn es nur die gelaufenen Kilometer wären, würde keiner über Werner diskutieren. Schwerwiegender fallen hier die Spiele gegen die Top 6-Teams. Nur gegen drei der Top 6 Mannschaften konnte man in der vergangenen Saison gewinnen. Hinzu kommen die beiden Auftritte gegen Bayern (auch wenn man sich in der Rückrunde noch ganz gut verkauft hat) und das in letzter Minute aus der Hand gegebene Spiel gegen den BVB, welches man am Ende auch gut hätte verlieren können. Für eine Umbruchsaison ist dies in Ordnung, aber wenn man in Leipzig (und das ist das große Ziel von Red Bull) mal die Meisterschale in die Luft stemmen möchte, muss man auch gegen die großen Teams mithalten können. Mit der Leistung aus der letzten Saison wird man es auch in der Champions League schwer haben. Und es scheint, dass man Ole Werner diesen nächsten Schritt eben NICHT! zutraut. 

All diese Gedanken sind am Ende nichtig, wenn es dann doch um Sachen abseits des grünen Feldes geht. Ole Werner ist sicherlich ein guter und tüchtiger Arbeiter, aber keine klassische PR-Figur wie ein Nagelsmann oder der Leipziger Marco Rose. Ob Werner am Ende ein Trainer ist, für den sich junge Talente entscheiden oder der die Menschen ins Stadion lockt, sei hier zu hinterfragen. Ein Name wie Demichelis würde das Brennglas (auch global) deutlich mehr auf RB richten, welches den Geldgebern des Vereins vielleicht dann doch deutlich wichtiger ist, als ein ruhiger sympathischer Norddeutscher, mit dem man zuverlässig die internationalen Plätze erreichen kann. Ebenso kann man die Beziehung Klopp-Werner auch nicht mehr deuten. War er vor einem Jahr noch die Wunschlösung des Strahlemanns mit den weißen Zähnen, so scheint eben dieser jetzt der größte Befürworter für eine Trainertrennung zu sein. Marcel Schäfer hingegen wollte noch am Ende der letzten Saison mit Werner verlängern, wird hier jetzt wohl aber hintergangen. Ein Beziehungswirrwarr, komplizierter als Game of Thrones. 


Demichelis als Nachfolger? Spannend und gleichzeitig gewagt.


Schlussendlich muss man hier wohl konstatieren, dass es den Verantwortlichen am Ende um Erfolg und fußballerische Macht geht. Sympathie und Fannähe sind hier dann von Interesse, wenn es darum geht, Trikots und Tickets zu verkaufen. So schön wie ein sportlicher Erfolg ist, wünscht man sich dann doch manchmal etwas mehr Menschlichkeit im Verein. Ole Werner hat diesen Abgang absolut nicht verdient. Sein Nachfolger muss von Tag 1 an liefern. Welcher Trainer diesem Druck am Ende nachkommen wird und ob man mit Werner auch noch Schäfer verliert, der ebenfalls gute Arbeit geleistet hat, wird sich zeigen. Mich als Fan rückt diese Entscheidung und vor allem das "Wie" im Herzen etwas vom Verein ab. Doch das Fußballgeschäft ist kurzlebig und natürlich wird jedem neuen Trainer und jedem neuen Spieler meine volle Unterstützung zugesprochen und eine Chance gegeben. Am Ende gilt dann doch immer: Einmal Leipzig, immer Leipzig!

Alex Hell