Gefallene Mauern und viele Emotionen
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Zum fünften Mal mit RB im Olympiastadion
Für mich ist Berlin schon aufgrund der kurzen Distanz immer eine Reise in der Fußballbundesliga wert. Aus diesem Grund begab ich mich am vergangenen Samstag bereits zum fünften Mal auf den Weg ins Olympiastadion. Zugegebenermaßen sind die Erinnerungen an den letzten Ausflug im diesjährigen Mai etwas gedämpft. Das Pokalfinale gegen die Bayern bot zwar rundherum ums Spiel ein Spektakel mit vielen unvergesslichen Momenten. Das Spiel letztendlich ließ dann aber doch zu wünschen übrig. Zum Glück aber ging es dieses Mal nicht gegen die Bayern, sondern gegen die Hertha. Gegen diese hat es im Olympiastadion immer Spaß gemacht, weswegen ich auch dieses Mal das Stadion mit einem guten Bauchgefühl betrat. Einzig und allein der graue und verregnete Himmel über Berlin dämpfte die positive Stimmung ein wenig.
Denkwürdige Erinnerungen rund um den Mauerfall 1989
Jedenfalls fühlt man sich im Olympiastadion nun doch mittlerweile ein wenig heimisch. Zumindest geht das mir so. Man weiß genau, wo sich alle befindet und dass man sich rund ums Stadion seine Tüte bunt gemischter Gummibärchen zusammenstellen kann. Auch wenn ich mich jedes Jahr aufs Neue Frage, ob sich dieser Stand wirklich lohnt.
Wer keine Lust auf Gummitiere hat, kann sich's im Stadion versuchen mit einer Tüte Popcorn auf den grauen Sitzen wenigstens etwas bequem zu machen.
Ohne Gummibärchen und ohne Popcorn, dafür aber mit Stadionpunsch ist mir gestern von jenen Plätzen sofort eines ins Auge gestochen - die Berliner Mauer. Also logischerweise nicht die echte Mauer. Eher eine Mauer aus Styropor, die auf der Mittellinie des Spielfeldes platziert war und den Schriftzug "Zusammen gegen Mauern, zusammen für Berlin" trug. Die erste denkwürdige Erinnerung an den neunten November 1989. An den Tag des Mauerfalls.
Ist natürlich auch kein schlechter Zufall, dass am neunten November genau 30 Jahre später, die ehemals in Westberlin lokalisierte Hertha auf die aus Ostdeutschland stammende Mannschaft aus Leipzig traf. Mal ganz davon abgesehen, dass RB damals noch gar nicht existierte, wäre ein solches Spiel vor dem Mauerfall niemals möglich gewesen. An dieser Stelle möchte ich einmal den Stadionsprecher der Hertha loben, der diesen Fakt völlig sachlich und ohne Spitze gegen Leipzig erwähnt hat.
Generell hat man sich im Stadionprogramm einiges vorgenommen gehabt. Auf den Leinwänden wurden zahlreiche Interviews abgespielt, in denen ehemalige Fans, Funktionäre und Spieler auf die Zeit vor der Wende zurückblickten. Eingeladen waren auch die Spieler der damaligen Hertha
Mannschaft sowie von Wattenscheid 09, die am 11.11. vor 30 Jahren, das
erste Fußballspiel im vereinten Berlin bestritten. Auch die Musik wurde
dem Spieltagsmotto angepasst und war überwiegend aus den 80er/90er
Jahren.
Schön mit dem Trabbi durch die Mauer knattern, im Olympiastadion zelebriert die Hertha den Mauerfall #BSCRBL pic.twitter.com/C6ANsFMJx2
— RBlive! (@rb_live) November 9, 2019
Die Mauer musste fallen
Nachdem sich die Mannschaften noch von der Styropormauer getrennt warm machen mussten, wurde diese nach dem Einlaufen der Mannschaften gestürzt. Ein symbolisches Bild, um nochmal darauf aufmerksam zu machen, dass es Ost- und Westvereinen durch den Mauerfall möglich war, gemeinsam Fußball zu spielen. Auch die Hertha Fans stürzten
eine eigene Mauer vor ihrer Fankurve, die Teil einer großen und auch emotionalen
Choreografie war, die später das Brandenburger Tor als Zeichen für ganz
Berlin präsentierte.
Insgesamt war das selbst für mich, eine Person, die am neunten November 1989 noch nicht am Leben war, ein kleiner Gänsehautmoment.
Auch im Gästeblock wehten zahlreiche Fahnen auf den Rängen und rundeten das schöne Gesamtbild im Olympiastadion ab.
Da das Spiel in den ersten zwanzig Minuten nicht ganz so aufregend, sondern eher zerfahren war, hatte man Zeit sich das ein oder andere Banner im Gästeblock durchzulesen. "RB: Uns trennen keine Mauern. Uns trennen Ideale". Nun ja, das ist wahrscheinlich dann auch eher eine Idealvorstellung.
Die Stimmung im Gästeblock derweil war jetzt nicht unbedingt die beste, die man in Berlin so hatte und so wirkte der Gegentreffer durch Mittelstädt in der 32. Minute eher wie so ein zusätzlicher Dämpfer. Kleine Pointe an dieser Stelle, die eher weniger mit RB zu tun hat, aber doch irgendwie zum Tag passt. Die Ostberliner Mannschaft Union Berlin traf fast zeitgleich in Mainz zur Führung. Zu diesem Zeitpunkt feierte als ganz Berlin an diesem historischen Tag für die Hauptstadt.
Impressionen. #BSCRBL pic.twitter.com/kQ7m80CoV8
— rotebetefreund (@rotebetefreund) November 9, 2019
Die Führung für RB unter lila Wolken
Immerhin endlich der Lichtblick auf Leipziger Seite als Schiedsrichter Storks zum Monitor lief um
die potentielle Elfmetersituation zu überprüfen. Ganz witzig aus Stadionsicht, dass der
VAR sich scheinbar nicht so sicher war, Storks aber ein kurzer Blick
genügte, um auf Elfmeter zu zeigen. Innerlich wünschte ich mir direkt, nicht Werner schießen zu lassen. Die Kombi Elfmeter und Werner schallt in meinem Kopf noch etwas ungut nach. Aber nun ja, im Nachhinein shame on me. Bei Werner klappt zurzeit einfach alles.
Den Halbzeitstand zum 2-1 durch Sabitzer nahm man nur wenige Minuten später unter lila Wolken wahr. Endlich ein freundlicheres Bild am Berliner Abendhimmel.
Auch die Stimmung im Gästeblock wurde nun ein Stück weit besser. Den Leipziger Spielern hingegen merkte man mittlerweile etwas die Müdigkeit an, die aus dem immensen Pensum der letzten Wochen resultierte. Trotzdem schaffte man es mit dem dritten und vierten Tor nochmal ein Zeichen im Endspurt des Spiels zu setzen. Die meisten Hertha Fans waren dann schon wieder auf dem Heimweg, was von den Leipziger Fans mit "Auf Wiedersehen"-Rufen kommentiert wurde. Nun ja, irgendwie kommt einem dieses Bild ja schon irgendwie bekannt vor...
Was war zum Schluss los?
Nachdem außerdem bereits in der 85. Minute "Auswärtssieg" aus dem Gästeblock schallte, war mir fast klar, dass wir uns noch ein Tor fangen werden. Es ist schon mittlerweile fast Standard, dass man sich nicht zu früh freuen sollte. Irgendwie rächt es sich immer. In diesem Fall startete Davie Selke seinen Rachezug. Durchaus überrascht war ich, dass er erstmals seitdem er für die Hertha gegen RB spielt, nicht von den Leipzig Fans ausgepfiffen wurde. Scheinbar kann man alte Wunden doch verheilen lassen. Dieses Mal hat Selke ja auch nicht über seinen Treffer gejubelt. Wobei es bei diesem Spielstand ja auch nicht zwingend einen Grund dafür gab.
Nach dem Spiel dann eine etwas komische Situation, als die Mannschaft zum Feiern in die Kurve kam, und es so wirkte als wären die Capos noch nicht wirklich darauf vorbereitet, was man nun anstimmen könnte. Zudem die Aktion, dass Werner vom Capo zu sich gerufen wurde, von deren Sinn man als sonstiger Fan im Block leider nicht wirklich viel mitbekommen hat. Wirkte alles ein wenig diffus. Immerhin durfte ein kleiner Fan noch zur Mannschaft in den Innenraum und sich ein Werner Trikot abholen.
Zurück in meiner Lieblingsstadt mit meinem Lieblingsstadion und meinem Lieblingsverein! ❤️⚪️ @DieRotenBullen pic.twitter.com/Wq6UCg3h0L
— Florian (@Der_wahre_Fan) November 9, 2019
emi.rbgt.39
) wie Lautern, Schalke, Düsseldorf etc. die letzten Jahre einfach nichts auf die Reihe bekommen haben. Viele Auswärtsfans zu haben, bedeutet rein GAR NICHTS!!! Hier geht es immer noch um sportliche Leistungen. Das wüsste man, wenn man mal ab und zu auf's Spielfeld schaut und sich nicht oben hinter "den Linien" mit etwas anderem beschäftigt - vorausgesetzt, man interessiert sich WIRKLICH für diesen Sport und nicht nur für den ganzen Blödsinn am Rande...