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Chance verpasst – mageres 2:2 gegen Berlin

Chance verpasst – mageres 2:2 gegen Berlin

In einem Spiel mit überschaubarer Qualität leistet sich RBL zu viele Fehler und vergibt mit dem 2:2 die Chance auf Platz zwei zu springen und sich etwas abzusetzen. Die Tore für RBL erzielten Klostermann und Schick.

Satzball Leipzig?

Da ist er also, einer dieser Momente in der Saison, in denen man voll da sein muss. Die Konkurrenz um die Champions League Plätze hat gepatzt. Es war also an Leipzig, dies auszunutzen und auf Platz 2 zu springen. Mit der Hertha kam zwar ein Lieblingsgegner unserer Messestädter, aber der schöne Bruno hatte die alte Dame aus der Hauptstadt nach der Corona-Pause so richtig auf Touren gebracht und auch Cunha hatte gezeigt, dass er durchaus häufiger als in Leipzig zu treffen im Stande ist.


Kampl schon wieder out? Er hatte beim Aufwärmen muskuläre Probleme.


Nagelsmann stellte fast getreu dem alten Grundsatz, never change a kanter winning team auf und ersetzte lediglich den verletzten Poulsen durch Schick. Kurz vor Spielbeginn musste er dann auch noch Kampl durch Adams ersetzen. Der Slowene hatte sich beim Warmmachen verletzt, seine Ballsicherheit bzw. der Wechsel auf der Rechtsverteidigerposition sollten für RBL eher ungünstig sein.

In einer englischen Woche, in der gestern auch andere Teams mit der Frische zu kämpfen hatten, durchaus überraschend, so wenig Wechsel zu sehen. Forsberg schaffte es nach überstandener Angina zumindest wieder in den Kader. Bei den Berlinern stürmten mit Cunha, Ibisevic und Lukebakio drei nominelle Angreifer – Labbadia mit einer mutigen Ansage, die sich auch sogleich für ihn auszahlen sollte.


Schweigeminute für die Opfer der Corona Krise.


Nichts gelernt!

Willkommen beim Murmeltiertag. Nach nur neun Minuten hätte man meinen können, das Freiburgspiel vor sich zu sehen. Erster Eckball Berlin, kurze Ecke, erster Torschuss, langer Pfosten unbesetzt, Resultat: schon wieder im Rückstand (9.). Das Tor durch Grujic würde durchaus als Zwilling der Freiburger Führung durchgehen. Ein absolut verpatzter Start ins Spiel, auch wenn der Treffer diskussionswürdig war, stand doch mindestens ein Herthaner vor Gulácsi beim Abschluss im Abseits. Auf Leipziger Seite könnte man den Treffer Upamecano ankreiden, der Grujic sträflich aus den Augen ließ.

Bei den Berlinern musste Vorbereiter Plattenhardt sofort nach dem Treffer runter, er war zu Beginn des Spiels mit Adams zusammengerauscht. Abseits des Tores gab es in der Anfangsphase viel Ballbesitz für RBL und eine Hertha, die über die Außenbahnen konterte und dabei mehr Torschüsse als Leipzig verzeichnen konnte.


Klostermann antwortet per Kopf.


Schnelle Antwort

Nach einer Viertelstunde hatte sich RBL dann berappelt und näherte sich so langsam dem Berliner Kasten an. Anders als gegen Freiburg gelang unseren Leipzigern die schnelle Antwort. Als Retourkutsche erzielte auch Leipzig mit der ersten Ecke den Ausgleich. Nkunku brachte den Ball ebenso kurz rein, wo Klostermann wuchtig per Kopf ins lange Eck abschloss (24.).

Nach dem Ausgleich verflachte die Partie etwas, beide Mannschaften waren vornehmlich über Standards gefährlich. Leipzig mit mehr Ballbesitz, aus welchem aber nur wenig Überlegenheit resultierte. Mit 6:5 Torschüssen und dem 1:1 ging es in die Kabinen. Für Halstenberg, der quasi mit dem Halbzeitpfiff seine fünfte Gelbe kassierte, würde damit das Spiel in Köln flachfallen.


Kein Red Bull in der Kabine?

So schlafmützig, wie Leipzig in die erste Halbzeit gestartet war, so kamen sie auch nach dem Pausentee ins Spiel. Die Gäste aus Berlin setzen die Rasenballer früh unter Druck, ihnen gehörte erneut die erste Viertelstunde. Nagelsmann brachte daher früh (58.) Lookman für den erneut eher enttäuschenden Olmo.

Die Sahnekirsche auf diesen mauen Start in die zweite Halbzeit brachte aber Halstenberg aufs Feld. Er foulte ganz unnötig ExRBLer Cunha und sah folgerichtig die Ampelkarte. Somit in Köln nicht mit Gelb- sondern Gelb-Rot-Sperre. Nagelsmann reagierte und brachte Angelino für Nkunku.


Lookman mit dem entscheidenden Foulspiel.


Gurkentor des Jahres?

Gerade in Unterzahl erzielte Leipzig dann die kuriose Führung. Laimer erkämpfte sich den Ball im Zentrum und der bis dahin bestenfalls unauffällige Schick schloss von der Strafraumkante ab. Jarstein hatte den zentralen Ball eigentlich sicher, schaufelte ihn sich mit seiner Abwehr dann aber doch eigenhändig rein (68.). Labbadia brachte nun Dilrosun und Piatek für Darida und Lukebakio, Leipzig durfte nun kontern, verlegte sich aber auf Ballbesitz.


Cunhas Moment


Aber in Sachen Bräsigkeit war heute noch lange nicht Schluss. Labbadia und Nagelsmann wechselten erneut. Der Berliner, um das 2:2 zu erzielen, unser Coach, um das 2:1 zu halten. Nur zwei Minuten nachdem Orban und Wolf für Schick und Werner kamen, dann der Elfmeterpfiff für Berlin. Cunha hatte Angelino ausgetanzt und wurde von Lookman zu Fall gebracht. Den fälligen Strafstoß verwandelte der eingewechselte Piatek zum 2:2. Damit die Herthaner Winterneuzugänge deutlich erfolgreicher als die Leipziger.

Die Schlussminuten gehörten den Gästen. Auch wenn es keine weiteren Schüsse aufs Tor gab. Beide Teams hatten das Maximum aus ihren mageren Chancen gemacht. Schmalkost wie in der ersten Halbzeit. Damit verpasste Leipzig den Sprung auf Platz 2 und in München kommt man wie so oft aus dem Lachen über die Unfähigkeit der Verfolgergruppe (darf man die überhaupt noch so nennen) nicht mehr raus.

 

Der beste Leipziger

Klostermann: Schöner Kopfball zum Ausgleich und auch in der Defensive der beste Leipziger. Stach in einer eher unterdurchschnittlichen Mannschaftsleistung heraus.

 

Luft nach oben

Olmo: Klar, außen ist nicht seine Idealposition. Aber erneut war vom hochgejazzten Wintertransfer wenig zu sehen. Wenn es im Spie nur selten die 10 gibt, muss sich der Spanier anpassen. Aktuell ist das über weite Strecken zu wenig.

Schick: Wenig Ballberührungen und Torraumszenen, darüber darf auch der Treffer nicht hinwegtäuschen. Das Spiel machte klar, warum Poulsen ihm zuletzt vorgezogen wurde.

Lookman: Kam, sah und foulte Cunha. Einer von vielen, die heute nicht an ihre Normalform herankamen.


Schick mit Tor aber sonst eher mit wenig schicker Leistung.


Fazit

Erneut ein durchwachsener Start für unsere Leipziger. Den frühen Rückstand konnte RBL zwar schnell ausgleichen, aber hier hätte stattdessen auch die eigene Führung stehen können. Durch die Ausfälle von Kampl und Poulsen ging einiges an Dominanz flöten. Adams war als Rechtsverteidiger nicht so gut wie Laimer. Olmo machte auf der Außenbahn erneut keine gute Figur und Schick war der Spieler mit den wenigsten Ballberührungen auf dem Platz. Das Unentschieden zur Pause durchaus verdient in einem nicht gerade hochklassigen Match.

Auch nach der Pause blieb die Qualität niedrig und RBL leistete sich allgemein zu viele leichte Fehler (Platzverweis Halstenberg, Elfmeterfoul durch Lookman). Am Ende stand ein leistungsgerechtes 2:2 Unentschieden gegen eine Hertha auf Augenhöhe. RBL zeigte zu wenig, um sich den Sieg zu verdienen.

RBL bleibt damit auf Platz 3, zwei Punkte vor Leverkusen und Gladbach und zwei Punkte hinter dem BVB. Die Champions League Qualifikation bleibt offen. Ohne Werner-Tore, der heute wie Schick wenig aufs Feld brachte, wieder nur ein Unentschieden und damit vier in den letzten fünf Bundesligaspielen.

In Köln muss Nagelsmann nun auf Halstenberg verzichten, hat aber mit Angelino durchaus eine Option in der Hinterhand. Jetzt müssen langsam Siege her, denn dauernd werden sich die Verfolger nicht die Blöße geben.


Statistik
RB Leipzig: Gulácsi – Adams, Klostermann, Upamecano, Halstenberg – Sabitzer (C), Laimer – Nkunku (68. Angelino), Olmo (58. Lookman) – Schick (80. Orban), Werner (80. Wolf)
Hertha BSC: Jarstein – Pekarik, Boyata, Torunarigha, Plattenhardt (12. Mittelstädt) – Grujic, Skjelbred (78. Ngankam) – Lukebakio (71. Dilrosun), Darida (71. Piatek), Cunha – Ibisevic (78. Maier)
Schiedsrichter:
Bastian Dankert (Rostock)
Tore:
0:1 Grujic (9.), 1:1 Klostermann (24.), 2:1 Schick (68.), 2:2 Piatek (82.) FE
Torschüsse: 11 / 12
Schüsse aufs Tor:
4 / 3
Passquote:
84% / 82%
Zweikampfquote:
51% / 49%
Ballbesitz:
57% / 43%
Laufleistung: 108,6 km / 110,2 km
Fouls: 12 / 20
Ecken: 4 / 7
Abseits: 1 / 6
Gelbe Karten: – / Pekarik, Torunarigha, Cunha
Gelb-Rote Karte: Halstenberg (63.)
Zuschauer: 0

Rumpelstilzchen