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Kaderplanung 2021/2022 – Wo gibt es noch Handlungsbedarf?

Kaderplanung 2021/2022 – Wo gibt es noch Handlungsbedarf?

Wie jedes Jahr schauen wir uns in der Sommerpause unseren Kader näher an. Wer könnte noch gehen? Auf welcher Position haben wir noch Bedarf? Wo haben wir unsere Hausaufgaben bereits gemacht?

Zunächst ein Blick auf die Spielsysteme

Experimentierte Jesse Marsch formationstechnisch in seiner ersten Salzburg-Saison, spielte er in seiner zweiten Spielzeit vorwiegend mit dem in Leipzig bekannten 4-2-2-2. Es ist davon auszugehen, dass wir auch in der nächsten Saison vorwiegend mit diesem System agieren werden. Alternativ wird auch noch ein System mit Dreier/Fünferkette betrachtet. Wie auch in der letzten Saison haben wir einige variable Spieler im Kader, so dass Jesse Marsch viele Möglichkeiten hat.

 

Die Besetzung des aktuellen Kaders in den Systemen

4-2-2-2

 

5-3-2 / 3-5-2

 

Der Kader nach Positionen:

Tor: Peter Gulácsi, Josep Martínez, Philipp Tschauner

Mit Peter Gulácsi hat RB Leipzig einen der besten Torhüter der Bundesliga im Kader, der es gewohnt ist, viel zu spielen. Josep Martínez hat in seinen wenigen Einsätzen gezeigt, was er drauf hat und ist nicht ohne Grund spanischer U21-Nationaltorhüter. Philipp Tschauner ist eine sehr gute Nummer 3, da auch er schon Erfahrung auf Bundesligaerfahrung hat und seine Rolle als dritter Torhüter hervorragend annimmt. RB Leipzig ist sowohl qualitativ als auch quantitativ im Tor sehr gut besetzt. 

 

Simakan ist einer der Gewinner der Vorbereitung.

 

Innenverteidigung: Willi Orban, Lukas Klostermann, Mohamed Simakan, Josko Gvardiol

Mit Dayot Upamecano hat uns unser Topabwehrspieler der letzten Jahre verlassen und auch Ibrahima Konaté ist gegangen. Letzterer war vom Talent durchaus über Upa zu stellen, aber leider in den letzten beiden Jahren meist verletzt. Letztlich ist somit Upamecano als wesentlicher Abgang in der Innenverteidigung zu ersetzen.

Mit Mohamend Simakan und Josko Gvardiol kommen zwei junge Toptalente aus der Ligue 1 von Straßburg bzw. aus Kroatien vom Topklub Dinamo Zagreb. Wenn man über eine langfristige Kaderplanung spricht, dann sind diese beiden Wechsel, wenn sie denn einschlagen, als perfekt zu bewerten. Da es zu erwarten war, dass mindestens Upamecano RBL im Sommer verlässt, wurden diese neuen Spieler bereits vor Monaten geholt. Mo Simakan war Topspieler in Straßburg, die allerdings nicht zu den besten Klubs in Frankreich zählen. Im letzten halben Jahr machte er durch eine Knieverletzung kein Spiel und auch die Saison 2018/2019 fehlte er mit einem Kreuzbandriss komplett. In der Vorbereitung wird er aktuell langsam rangeführt und machte in den Testspielen einen sehr guten Eindruck. Fraglos ist Mo ein großes Talent, aber ob er ein kurzfristiger Ersatz für Upa ist, bleibt abzuwarten?

Werfen wir einen Blick auf Neuzugang Nummer 2 Josko Gvardiol. Als letzte Saison die Angebote aus Leipzig oder Leeds aus der Premier League kamen, wollte Gvardiol lieber noch ein Jahr in Zagreb bleiben, um sich für das höhere Niveau in den Topligen weiterzuentwickeln. Oft kam er im letzten Jahr als Linksverteidiger zum Einsatz und war auch in der Europa League Leistungsträger. Sein Weg kann dabei als absolut richtig bezeichnet werden, da er zum Nationalspieler Kroatiens wurde und auch als Linksverteidiger bei der EM beim vormaligen Vize-Europameister spielte. Ein Jahr später kommt er nun nach Leipzig und dürfte ein höheres Niveau als vorher haben. Wenn man bedenkt, dass er immer erst noch 19 Jahre ist, dann wird deutlich, dass hier eines der größten Talente seines Jahrgangs nach Leipzig wechselt. Auch er dürfte wie Simakan ein Spieler mit Perspektive sein, dem man aber sicherlich noch eine gewisse Eingewöhnungszeit zugestehen sollte. Erinnern wir uns an Upa und Konaté, auch diese brauchten hier Zeit, um ihr jetziges Niveau zu erreichen.

In der Innenverteidigung könnten auch noch Halstenberg und Mukiele spielen. Ersterer will wohl gen Dortmund wechseln und Mukiele dürfte auch weiterhin als rechter Außenverteidiger gefragt sein, wenn sich Henrichs nicht deutlich steigert. Grundsätzlich kann man mit diesen vier Innenverteidigern in die Saison gehen, wenn auch Halstenberg bleiben sollte. Ansonsten ist das in der Leistungsspitze nach den Abgängen von Upa und Konaté aber noch zu wenig. Möchte man mit Dreierkette spielen, müsste definitiv Halstenberg bleiben, oder ein Ersatz müsste her.

 

Wird Angeliño auch im 442 wirbeln?

 

Außenverteidigung: Angeliño, Marcel Halstenberg, Benjamin Henrichs, Nordi Mukiele

Angeliño ist, wenn er fit ist und sich wieder komplett auf den Sport konzentrieren kann, einer der besten Linksverteidiger. Auch Halstenberg ist ein überdurchschnittlich guter Linksverteidiger in der Bundesliga, der auch bei der EM dabei war. Zusammen sind beide eine starke Kombination, die bei einem Abgang von Halstenberg jedoch getrennt werden könnte. Umso besser ist es, dass Benjamin Henrichs sowohl als Links- als auch als Rechtsverteidiger eingesetzt werden kann. Auch Gvardiol hat bei der kroatischen Nationalmannschaft und in Zagreb mehrfach Linksverteidiger gespielt, so dass wir auch bei einem Abgang von Halstenberg und einem Ersatz in der Innenverteidigung hinter Angeliño auf der Linksverteidigerposition sehr gut besetzt wären.

Die Rechtsverteidigerposition ist eine der am schwersten zu besetzenden Positionen im Fußball, gerade was offensive Rechtsverteidiger angeht. Mit Nordi Mukiele haben wir einen insbesondere defensiv starken Rechtsverteidiger, der auch immer offensiv Akzente setzen kann. Wenn nicht seine Aussetzer wären, wäre der zweikampfstarke Rechtsverteidiger wohl schon mehrfacher Nationalspieler Frankreichs. Seine Entwicklung ging grundsätzlich nach oben, man darf sich auf den nächsten Entwicklungsschritt freuen. Dazu gibt es mit Henrichs eine zusätzliche Alternative, der nach langer Verletzung zurückkommt und hoffentlich die Erwartungen erfüllen kann. Bei Olympia konnte er wie das gesamte Team nicht überzeugen. Wenn nicht, könnte auch Lukas Klostermann wieder als Rechtsverteidiger fungieren. Mit Konrad Laimer und Tyler Adams gibt es weitere Optionen aus dem Mittelfeld.

 

Kann Adams unter Marsch an seine Bestleistungen anknüpfen?

 

Zentrales Mittelfeld: Tyler Adams, Konrad Laimer

Nach dem Abgang von Diego Demme war das zentrale Mittelfeld der Problembereich im Kader und so richtig ideal war die Besetzung seitdem nie. Meist half Marcel Sabitzer dort aus oder auch Kevin Kampl wurde nach hinten gezogen. Beide sind aber in einer etwas offensiveren Rolle eigentlich stärker. Gerade Kampl ist eher nicht der Staubsauger und Zweikämpfer, da er andere Qualitäten hat.

Konrad Laimer kommt nach langer Verletzungspause zurück und wird sicherlich wieder im Dauersprint mit hoher Intensität über den Platz pflügen. Ein echter Löcherstopfer vor der Abwehr, der mit seinen Läufen in die Tiefe auch offensiv Akzente setzen kann. Mit seiner zappeligen Art Fußball zu spielen, ist er aber nicht der Strukturgeber für unser Spiel, wie es Kimmich oder Demme waren.

Tyler Adams ist gut, aber auch immer mal wieder verletzt. Ganz hohes Bundesliganiveau konnte er über längere Zeit noch nicht nachweisen. Insgesamt gibt es viele verschiedene Möglichkeiten, die aber (bisher) nicht auf Champions League-Niveau sind.


Zentrales Mittelfeld (Achter): Marcel Sabitzer, Amadou Haidara, Kevin Kampl, Sidney Raebiger, Joscha Wosz

Kevin Kampl und Marcel Sabitzer sind stärker auf der 8 und dazu hat Amadou Haidara einen großen Sprung in der letzten Saison gemacht. Mit Dani Olmo, für den die 8 aufgrund seiner Abschlussschwäche perspektivisch vielleicht eh die beste Position wäre, und Dominik Szoboszlai gibt es weitere Alternativen. Ein Auge sollte man unbedingt auf den erst 16-jährigen! Sidney Raebiger werfen. In den Testspielen konnte er absolut überzeugen. Vielleicht bekommt er bereits diese Saison seine ersten Bundesligaminuten.


Offensives Mittelfeld: Christopher Nkunku, Dani Olmo, Emil Forsberg, Dominik Szoboszlai, Lazar Samardžić, Ademola Lookman

Eigentlich braucht man bei den Namen Nkunku, Olmo, Forsberg und Szoboszlai nicht viel sagen. Im offensiven Mittelfeld sind wir einfach großartig besetzt, auch wenn Ademola Lookman wohl noch gehen wird. Im Winter kommt mit Caden Clark aus New York eine weitere Verstärkung für diese Position.

 

Hallo i bims der André...

 

Sturm: André Silva, Brian Brobbey, Yussuf Poulsen, Hee-chan Hwang, Alexander Sørloth

Wenn wir letzte Saison einen treffsicheren Stürmer gehabt hätten...........?  Diese Frage haben wir wohl öfter gelesen. Alle drei Neuzugänge der letzten Saison konnten nicht die Erwartungen erfüllen. Insofern können wir absolut glücklich sein, dass uns mit André Silva der zweitbeste Torschütze der letzten Bundesligasaison verstärkt. 28 Treffer sind mehr als eine Hausmarke, dabei hat er unter Adi Hütter in einem ähnlichen Spielsystem wie zukünftig unter Marsch agiert. 

Dazu kommt mit Brian Brobbey eines der größten Sturmtalente seines Jahrgangs in der Welt. Vom Spielertyp erinnert er mit seiner bulligen Art an Lukaku, auch wenn er mit 19 Jahren noch weit weg von seinem Niveau ist. Letzte Saison erzielte er für die 1. Mannschaft von Ajax 6 Tore und 2 Vorlagen. Bei weniger als 400 Minuten Spielzeit ein mehr als beachtlicher Wert.

Yussuf Poulsen wird auch nächste Saison wieder seine Leistung zeigen und als starker Pressingspieler vom System unter Marsch profitieren. Damit stellt er vom Typ eine sehr gute Kombination mit Silva und Brobbey dar. 

Abzuwarten bleibt es, wie es bei Hwang und Sørloth weitergeht. Zu vermuten ist, dass man Sørloth noch abgibt und Hwang behält, da letzterer unter Marsch in Salzburg seine beste Saison gespielt hat und im Gegensatz zu Sørloth ihm auch das vertikale Pressingsystem wohl entgegenkommt.

Insgesamt sollte man sich im Sturm vom niedrigen Ausgangsniveau der letzten Saison deutlich verbessern.

 

Streift der Kapitän seine Binde vorzeitig ab?

 

Zusammengefasst: Welche Spieler könnten RBL noch verlassen?

Ademola Lookman, Alexander Sørloth, Marcel Sabitzer, Marcel Halstenberg, Joscha Wosz, Lazar Samardžić:

Der Kader soll laut Aussagen der Verantwortlichen 21 Feldspieler und 3 Torhüter umfassen, welche von U19-Spielern ergänzt werden. Allein aus diesen Zahlen zeigt sich, dass der Kader aktuell noch zu groß ist.

Für Joscha Wosz und Lazar Samardžić dürfte wie bei anderen Nachwuchsspielern, die nicht mehr in der U19 spielen können, eine Leihe mit Spielpraxis die beste Lösung sein. Gerade Samardžić ist gar nicht so weit weg vom Niveau, aber auf der 10 sind wir überragend besetzt und da dürfte Spielpraxis für ihn kaum möglich sein.

Für Lookman und Sørloth hat es leider nicht gereicht. Im Idealfall generieren wir hier eine möglichst hohe Ablösesumme, die aber die Kosten für die Spielerverpflichtung nicht reinholen wird. Sabitzer und Halstenberg wollen gehen, insofern muss man hier in diesem Sommer eine Ablöse generieren. Wenn nicht, dann sollte ähnlich wie bei Upamecano oder Werner versucht werden, die Verträge ein Jahr zu verlängern um nächsten Sommer eine Ablöse zu bekommen, dies ist nach aktuellem Stand jedoch unwahrscheinlich.

 

Lacroix: das fehlende Puzzlestück?

 

Zusammengefasst: Auf welchen Positionen sind noch Verstärkungen nötig?

1x Innenverteidiger:

Marcel Halstenberg seinen Wechselwunsch zu erfüllen und die Einnahmen für einen neuen Spieler zu nutzen, wäre absolut sinnvoll. Neben Upamecano würde dann ein weiterer wichtiger Baustein der letzten Jahre RBL verlassen. So stand Halste auch letzte Saison knapp 2.200 Minuten auf dem Platz, weshalb hier Ersatz her muss. Seit Wochen versucht RBL Maxence Lacroix von Wolfsburg zu holen und man kann nur hoffen, dass sein Wechsel klappt. Er war letzte Saison einer der besten Innenverteidiger der Bundesliga und besticht mit Eleganz, hohen technischen Fähigkeiten und Schnelligkeit bei 1,90 m Körpergröße. Im Kopfballspiel und im Zweikampf kann er sich sicherlich noch verbessern, aber er ist schon sehr weit und könnte bereits kurzfristig helfen. Er würde die kleinen Unwägbarkeiten, die bei den Bundesliganeulingen Simakan und Gvardiol bleiben, beheben. Unter Glasner hat er einen ähnlichen Fußball gespielt, der auch unter Marsch zu erwarten ist. Also, holen den Mann!

1x Defensiver zentraler Mittelfeldspieler:

Geht Marcel Sabitzer, dann sollten die Verantwortlichen definitiv über Verstärkung auf der 6 nachdenken. Warum dort Szoboszlai medial immer wieder genannt wird, erschließt sich mir nicht. Er ist besonders im offensiven Mittelfeld stark und seine Arbeit gegen den Ball ist nicht gerade seine hervorstechendste Eigenschaft. Wünschenswert wäre ja ein groß gewachsener Sechser mit technischen Fähigkeiten. Ein Florian Grillitsch als Beispiel aus Hoffenheim könnte hier eine sinnvolle Verstärkung sein, da wir Busquets oder Fabinho wohl eher nicht bekommen werden. Im Gespräch war hier zuletzt Toptalent Moriba, aber dessen Gehaltsvorstellungen sollen sich trotz weniger Erstligaeinsätze bereits auf Sabitzerniveau bewegen.

 

Teambuilding abgeschlossen?

 

Fazit:

Dem Satz "Wir haben den vielleicht qualitativ breitesten Kader der Liga." von Jesse Marsch aus dem Interview bei RBLive kann man absolut zustimmen. So positiv wie die Breite auf gutem Qualitätsniveau ist, zeigt dies aber gleichzeitig unser Problem wohl für die nächsten Jahre auf. Um ganz oben anzugreifen, braucht man eben auch Spieler von außergewöhnlichem Niveau, was sich in unserem Kader nur bedingt findet, wenn Spieler wie Kimmich, Keita, Werner, Upamecano oder Konaté RB Leipzig immer wieder verlassen werden. Mit André Silva hat man ein echtes Statement gesetzt, weil das genau ein Transfer in diesem Topbereich ist. Die übrigen Neuverpflichtungen sind als absolute Toptalente zu bewerten, die in den nächsten Jahren den Sprung in die Bundesligaspitze gehen können. Schafft man es neben André Silva mit Maxence Lacroix auch noch einen zweiten Topspieler in diesem Sommer zu holen, dann wäre das schon richtig stark und würde uns in der Spitze, was letztlich zur Verstärkung des Kaders nötig ist, verbessern. Geht auch Sabitzer, dann sollte auch im defensiven Mittelfeld nochmal reagiert werden. Schließt man diese beiden Baustellen, dann hat man fraglos den besten Kader in der nächsten Saison, den RBL je hatte. Auf geht's!

Jupp